Gründerstory am Freitag – Rafael Kugel „Havelwasser“

Rafael Kugel Gründer von Havelwasser

Rafael Kugel ist das Gründer-Gen in die Wiege gelegt. Schon mit sechs Jahren wusste er, dass er später mal die Fäden in der Hand halten wird, denn zu organisieren, das lag ihm irgendwie im Blut. Zwischenzeitlich war er ein Serial Entrepreneur, heute konzentriert er sich auf sein Unternehmen „Havelwasser“.

Woher wusste er, dass Gründen „sein Ding“ ist?
„Ich habe schon damals immer Dinge gesehen, die ich verbessern, also optimieren wollte.“ Richtig losgelegt hat er damit, als die ersten Skireisen anstanden. Statt allein zu reisen, hat er Gruppen zusammengestellt, mit Unterkünften und Busunternehmen telefoniert, Preise verhandelt und so ganz nebenbei sein erstes Geld verdient. Eigentlich hätte er gleich als Unternehmer loslegen können, doch nach Abitur und Zivildienst kam erst einmal die Uni-Bank. BWL war zwar nicht sein Herzenswunsch, aber eine gute Grundlage, um seinen Traum zu verwirklichen. Eine Stelle in einer Unternehmensberatung gab ihm die Möglichkeit, in die Welt der Kleinen und Mittelständigen Unternehmen einzutauchen. Doch dann entdeckte er eine Stellenausschreibung von Professor Dr. Faltin, einem Entrepreneur der ersten Stunde und Gründer der Teekampagne. Das war die Chance. „Dafür bezahlt zu werden, von ihm zu lernen, war eine großartige Aussicht.“ Er bekam die Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Arbeitsbereich Entrepreneurship der Freien Universität Berlin. 

 Jetzt stimmte zwar die Richtung, trotzdem fehlte noch etwas. „Irgendwann dachte ich, dass es Zeit ist, eine eigene Firma zu gründen. Bisher hatte ich ja immer anderen erzählt, wie man es macht und das fühlte sich seltsam an. Die Kunst war, ein Produkt zu finden, das eine sogenannte Komponentengründung erlaubte. Gründen mit Komponenten hat nämlich den Vorteil, dass man nicht den gesamten Prozess von der Produktion bis zum Verkauf abwickelt, sondern die einzelnen „Stationen“ auslagert. So gibt es einen Erzeuger, einen Verpacker, ein Lager, einen Vertrieb und natürlich den, der den Verkauf abwickelt. Das lief in diesem Fall online und lag in meinen Händen.“ Rafael entschied sich für den Verkauf von BIO-Rapskernöl. Das war der Anfang. Ein Jahr später gründete er gemeinsam mit Faltin die Firma Ratio-Drink, auch wieder eine Komponentengründung, hinter etwas stand, das Rafael im Grunde schon immer tat: Es ging darum, Dinge zu vereinfachen und damit unter anderem auch Ressourcen zu sparen. Die Idee war so simpel wie genial: Warum literweise Saft kaufen, wenn der nur aus Konzentrat besteht, das man eigentlich mit Wasser selbst zu einem Saft mixen kann? Gedacht, getan, Komponenten zusammengestellt und los ging der Verkauf. RatioDrink ist heute eine Aktiengesellschaft, die seit Ende 2017 ohne Rafael auskommen muss, denn nach einigen Jahren keimte in ihm der Wunsch, noch mehr auf eigenen Füßen zu stehen. Das realisierte er mit der Gründung von „Havelwasser“

Die Idee mit der Birne

„Angefangen hat alles mit der Idee, ein Pendant zum „Alsterwasser“ zu kreieren. Aber nicht mit Bier, sondern mit Wein. Birnen haben mich schon immer fasziniert und so war der Weg zu einem Getränk, das aus Wein, Birnensaft und Sprudelwasser bestand, nicht weit. Ich mag die Birne und mit dem Havelwasser ist uns etwas ganz Schönes gelungen: Wir haben nicht einfach nur Zutaten zusammengemischt, sondern wir haben einen ganz neuen Geschmack kreiert.“

Und wie habt Ihr das entwickelt? Gab es Vorkoster oder einen Testballon?“ „Ja, natürlich. Ich habe zunächst mit einigen Winzern gesprochen. Ich musste ja einen finden, der interessiert daran war, etwas Neues auszuprobieren. Und wir mussten den richtigen Wein finden, der zum Birnenaroma passt. Riesling geht zum Beispiel überhaupt nicht. Der macht die Birne platt. Als das alles geregelt war, sind wir mit einem Investment von 500 Euro gestartet. Ich habe kleine Flaschen abfüllen lassen, habe die Etiketten selbst gestaltet und dann zur „Havelwasser-Party“ eingeladen. Glaube mir, ich hatte hinterher nicht mehr nur mehr Freunde als vorher (lacht), sondern ich wusste, dass es funktioniert. Trotzdem stand ich vor einer ganz anderen Herausforderung, denn die Gründung von Havelwasser ist keine Komponentengründung wie die anderen. Die Frage war also für mich: Wie bringe ich mein Produkt unter die Menschen? Ich musste Vertriebswege finden, auf Messen gehen, lernen, lernen und lernen. Manchmal kam ich mir vor wie live mitten in der Sendung mit der Maus.“

Mittlerweile ist die Produktpalette von Havelwasser mächtig angewachsen und Rafael Kugel hat schon wieder die nächste Firma gegründet. Ein Verlag, der Bücher zum Thema Gründung verlegt.

Mehr Informationen:
www.havelwasser.com
www.lean-entrepreneurship.com

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