Im Laufe der Zeit

Wir beginnen jedes Jahr mit einer Kultfigur: Janus ist der römische Gott, der mit seinen beiden Gesichtern sowohl die Zukunft als auch die Vergangenheit immer fest im Blick hatte. Mit dem ersten Monat jedes Jahres, dem Januar, ehren wir ihn für diese außerordentliche Fähigkeit, während wir am Jahreswechsel selber sowohl zurück, als auch nach vorne schauen.

Der Designer Osvaldo Cavandoli schuf in den 70-er Jahren ebenfalls eine Kultfigur, das ewig meckernde Strichmännchen „La Linea“. Er vermarktete es über Kinos. Das aus unerfindlichen Gründen irgendwie sympathische Kerlchen ging einige Minuten lang seinen Weg, danach kam der Langnese Eisverkäufer, dann der Hauptfilm. Aber Linea ging nicht im eigentlichen Sinne, er stand ja immer am selben Fleck, er machte nur die Laufbewegungen. Seine Zukunft bewegte sich vielmehr auf ihn zu, wurde zu Gegenwart, die er beschimpfen konnte und dann zu seiner Vergangenheit, die er hinter sich ließ – zeitlich wie räumlich.

La-linea

Gründen wir ein Unternehmen, dann geht es uns wie „La Linea“. Wir befinden uns in der Gegenwart, und zwar immer. Zukünftige Ereignisse kommen auf uns zu und werden, indem sie durch unsere Gegenwart fließen, zu Vergangenheit. Die entscheidende Erkenntnis daran: Zukunft, Gegenwart und Vergangenheit bilden drei Domänen, die auf ganz unterschiedliche Weise zu managen sind. Ebenso sehr, wie sie miteinander zusammenhängen, unterscheiden sie sich voneinander.

Die Zukunft unseres Unternehmens ist, das liegt in der Natur zukünftiger Ereignisse, ungewiss. Indem wir eine Idee von ihr entwickeln, befestigen wir einen gedanklichen Wurfanker, an dessen Seil wir uns von nun an vom Heute in die Zukunft manövrieren. Oder, aus der „La Linea“ Perspektive betrachtet, wir bewegen die Zukunft auf uns zu. Dabei ist die Leine anfangs sehr lang, aber je näher die Idee unserer Gegenwart kommt, umso mehr Kontrolle erlangen wir über ihre Gestalt.

Ist die Vision in unserer Gegenwart angekommen, haben wir zu ihrer Umsetzung teils komplizierte Probleme zu lösen, die uns aber nicht unvorbereitet treffen: juristische, finanzielle, organisatorische und persönliche.

Was in der Zukunft noch Vision war, wird nach einiger Zeit, wenn es funktioniert und sich etabliert hat, zur Routine. Routinierte Abläufe beruhen auf Erfahrung der Vergangenheit und verleihen unserem Unternehmen Stabilität und Sicherheit.

Das Managementmodell HOME Office schafft ein Verständnis für diese Zusammenhänge. Besonders hilfreich kann diese Perspektive in entscheidenden Phasen eines Unternehmens sein. So steht ein Projekt beispielsweise ein Jahr nach Gründung häufig vor der Herausforderung, erste Erfolge in geregelte Prozesse umwandeln zu müssen. Das kreative Chaos, das die Beteiligten während der Startphase angefeuert und motiviert hat, kann tatsächlich in Routinen umgewandelt werden, indem wir fragen: „Welche Prozesse funktionieren bereits zuverlässig nach beschriebenen Abläufen, wo wollen wir Prozesse noch entwickeln?

Der Weg von der Vision (Zukunft) über die Lösung (Gegenwart) zu Abläufen, die wir quasi in vorbereitete Schubladen sortieren und bei Bedarf immer wieder abrufen (aus der Vergangenheit), birgt die Gefahr der Frustration. „Was ist nur aus unserer Vision geworden?“ steht als Frage dann im Raum. Ideen und Visionen feuern uns an. Diese erst in konkrete Lösungen zu verwandeln um sie dann in Schubladen optimierter Prozesse zu sortieren, schafft den Platz für neue Entwicklungen. Nur wer den Alltag optimiert, hat Kopf, Herz und Hand frei, um sich seiner Zukunft zuzuwenden. Im Idealfall ist es ein steter Fluss, und die Kunst besteht darin, ihn in Gang und in Balance zu halten. Dabei hilft die

HOME Office Route Map, die hier als Arbeitsmappe zum Download bereit steht:
HOME Office Route Map in A 1
HOME Office Route Map in A 4
HOME Office Route Map, mit Ausfüllbeispielen

Der Bereich der Kommunikation ist in der Domäne komplizierter Probleme ein immer gegenwärtiges Thema. Um sich hier einen Überblick zu verschaffen, hilft ein einfaches Denkspiel: WARUM sollte sich ein Kunde uns zuwenden, bei der Fülle konkurrierender Angebote? Und WARUM sollte sich ein wichtiger Partner dafür entscheiden, gerade mit uns zusammenzuarbeiten? Die Lösung ist einfach: Geben wir ihm gute Gründe an die Hand und kommunizieren diese konsequent.
Im dafür entwickelten Arbeitsblatt (hier zum Download in A 3 / hier zum Download mit Ausfüllbeispielen) können wir uns einen Überblick verschaffen. Sobald wir die Argumente vor Augen haben, können wir

  1. Prioritäten setzen.
  2. überprüfen, ob die Versprechen, die in diesen Argumenten stecken, auch gehalten werden können. Wenn nicht, müssen wir sie entweder verwerfen oder nacharbeiten.
  3. diese Argumente jetzt, vielleicht im Rahmen einer bestehenden Kommunikationsstrategie, umsetzen.

Der Artikel erschien ursprünglich im Blog HOME Office.
Oliver Schmidt Oliver Schmidt ist Unternehmens- und Gründungsberater und schreibt im .garage Blog als Gastautor. In seinem eigenen Blog beschreibt er unter dem Stichwort HOME Office aktuelle Fragen und neue Wege im Management. Am liebsten erklärt er der Welt die Welt in Vorträgen und Workshops im Spannungsfeld aus Marketing und Nachhaltigkeitsmanagement.

 

 

 

 

 

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