Werde was du kannst!

UnbekanntWenn eine ungewöhnliche Unternehmerin über ungewöhnliche Unternehmer schreibt
(Interview von Kirsten Kohlhaw)

Von der deGUT bis zur Gründerwoche 2014, die heute beginnt, überall begegnen wir dieser Tage Dr. Kerstin Gernig und ihrem bei Murmann erschienenen Buch „Werde was du kannst – wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“. Bereits im Frühjahr diesen Jahres wurde ich auf die Beraterin, Speakerin und Coach auf XING aufmerksam.  Ihre Energie ist mitreißend, ihre Ausstrahlung beachtlich. Grund genug, Sie unseren Gründern vorzustellen und sie einzuladen: Am Dienstag, den 2. Dezember können Sie, ihr und wir alle mit Kerstin Gernig gemeinsam geballten Gründer-Spirit erleben und uns gegenseitig im Unternehmens- und Gründerzentrum .garage berlin in Steglitz inspirieren.

 

 

Frau Dr. Gernig, wie entstand die Idee zu Ihrem Buch „Werde, was du kannst! Wie man ein ungewöhnlicher Unternehmer wird“?

Die Idee ist persönlich motiviert. Als ich mich mit Ende 40 selbstständig gemacht habe, wollte ich Menschen kennenlernen, die aus eigener Kraft gegründet haben und mit ungewöhnlichen Ideen erfolgreich geworden sind. Aus meinem ersten Leben als Studienrätin kannte ich nur angestellte Lehrer, aus meinem zweiten Leben als Hochschuldozentin nur angestellte Dozenten und aus meinem dritten Leben als Geschäftsführerin in der Wirtschaft vor allem – Sie ahnen es – angestellte Geschäftsführer. Und so habe ich angefangen, mich mit Selbständigen zu beschäftigen, die alte Berufe neu erfunden oder neue Berufe geschaffen haben. Denn ich wollte Menschen kennenlernen, die da waren, wo ich hinwollte.

Was fasziniert Sie an dem Thema Unternehmer?

Als ich mich 2011 selbstständig gemacht habe, habe ich festgestellt, dass nur 12% der arbeitenden Bevölkerung selbstständig sind, denen 88% Angestellte gegenüberstehen. Diese Aufteilung spiegelt ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit und eine geringe Risikobereitschaft in Deutschland. Ich wollte wissen, was diese 12% anders machen. Und auch, wie sie es machen. Auf der Suche nach ungewöhnlichen Unternehmern war ich viel unterwegs bei Messen und Veranstaltungen wie der re.publica, dem Entrepreneurship-Summit, der deGUT, der Ambiente etc.. Ich war auf der Suche nach Gründern und Entrepreneuren, die sich mit Anfang 20 oder auch in der Mitte des Lebens aus eigener Kraft selbständig gemacht haben, die Herausforderungen angenommen und Niederlagen überwunden haben, um mit außergewöhnlichen Ideen – jeder auf seine Weise – erfolgreich zu werden. Zwei faszinierende Gründergeschichten werde ich in der .garage vorstellen – bei denen die meisten Banken vermutlich, wenn sie den Businessplan gesehen hätten, erst einmal abgewunken hätten.

Bei der Recherche zu meinem Buch kristallisierten sich neun Trends heraus, die ich beschrieben habe – von der Digitalisierung sämtlicher Lebensbereiche bis zur Möglichkeit, dank der sozialen Medien aus Nischenmärkten Massenmärkte zu entwickeln. Durch neue Finanzierungskonzepte wie Crowdinvesting, Crowdfunding, Business Angels oder auch Mäzenatentum ist Geld für Gründer heute kein K.O.-Kriterium mehr. Mich hat fasziniert, wie Menschen mit unterschiedlichsten Ausgangsvoraussetzungen, mit oder ohne Studium, mit Anfang 20 oder in der Mitte des Lebens, als digitaler Eingeborener oder auch als digitaler Immigrant, ihren eigenen Weg gefunden haben und ihn dann konsequent gegangen sind.

Sie sind als Businesscoach tätig und haben selbst in der Mitte Ihres Lebens noch einmal neue Weichen für sich gestellt. Welche Fähigkeiten aus Ihrem vorherigen Leben bringen Sie in Ihre heutige Tätigkeit ein?

Als ich mich selbstständig gemacht habe, habe ich einen klassischen Fehler gemacht, den ich heute meinen Klienten ersparen kann: ich habe mich zu schnell neu erfunden. Wer sich in der Mitte des Lebens neu positioniert, weiß, welche Erfahrungen er im Gepäck hat und was er gut kann. Aber viel wichtiger ist, sich einmal zu fragen, bei welchen seiner Fähigkeiten man wirklich im Flow ist. Ich hatte den Mut, noch einmal etwas ganz Neues aufzubauen. Ich habe zunächst eine Agentur für KommunikationsGestaltung gegründet, da das meinen sogenannten „Kernkompetenzen“ entsprach: PR und Öffentlichkeitsarbeit, Moderation und Veranstaltungsmanagement, Marketingstrategie- und Unternehmensberatung. Doch dabei war ich nicht im Flow. Dann habe ich mich gefragt, was ich davon am liebsten mache und bin auf drei Dinge gekommen: ich interessiere mich für interessante Menschen und die Trends unserer Zeit. Deshalb habe ich mein Buch geschrieben. Ich gebe mein Wissen und meine Erfahrungen gern weiter. Deshalb arbeite ich heute nach einer entsprechenden Ausbildung als Business-Coach und Unternehmensberaterin. Und ich halte leidenschaftlich gern Vorträge. Deshalb mache ich aktuell eine Ausbildung bei der German Speakers Association als Speaker. Denn Keynotes sind noch einmal eine andere Herausforderung als Vorträge.

Wenn ich mir die Werdegänge der von Ihnen geschilderten ungewöhnlichen Unternehmer anschaue, habe ich den Eindruck, dass sie sich oft von normalen zu ungewöhnlichen Berufen hin entwickelt haben. Kaum jemand startet mit einem exotischen Beruf, um dann in der Lebensmitte – sagen wir mal – Buchhalter zu werden. Braucht man für ungewöhnliche Jobs ein höheres Maß an Lebenserfahrung?

Das ist eine interessante Frage. Wer mit Anfang 20 gründet, geht von anderen Voraussetzungen aus als jemand in der Mitte des Lebens. Die Angst, etwas zu verlieren, ist gering, die Lust neues auszuprobieren groß. Mit zunehmendem Alter kommen einem hingegen die eigenen Lebenserfahrungen zugute. Beides hat seine Vor- und Nachteile.

Die klassische Berufsberatung stellt bekannte Ausbildungsberufe oder Studiengänge vor. Diese Orientierung hat jedoch meist mit den Sehnsüchten und Leidenschaften der Menschen wenig zu tun. Deshalb interessiert mich, aus welchen Motiven Menschen welche Berufe ergreifen und welche Werte sie im Leben antreiben. Kopf und Herz sprechen dabei nicht immer die gleiche Sprache. Ich gebe Ihnen ein Beispiel im Zeitraffer: vor kurzem kam eine Klientin mit Anfang 30 zu mir, die eine brillante Karriere gemacht hatte: Einser-Abitur, Mathestudium mit eins abgeschlossen, Promotion in VWL brillant abgeschlossen. Diese Frau macht gerade Karriere in einem großen Konzern im Controlling, wo ihr die Karriereleiter offen steht: von Jahr zu Jahr mehr verdienen, die Karriereleiter erklimmen, teurere Dienstwagen etc.. Diese Karriere war jedoch keine Herzensangelegenheit, sondern eine Vernunftentscheidung. Alles hat seinen Preis: im Studium überwand sie eine Depression, anschließend wurde der Stress so groß, dass die Warnsignale ihres Körpers zunahmen. Diese Warnsignale gilt es ernst zu nehmen: Schlafstörungen, Über- oder Unterforderung, die Gefahr von Burn Out oder auch Bore Out. Wir haben nicht nur eine Kopfintelligenz, sondern auch eine Körperintelligenz. Da unsere Kultur jedoch extrem kopfgesteuert ist, muss unser Körper immer lauter werden, bis er endlich gehört wird. Und deshalb steckt in jeder Krise auch eine Chance. Denn wenn es zur Krise kommt, fangen Menschen an, wieder auf ihre eigene Stimme zu hören. In solchen Veränderungsprozessen lade ich meine Klienten ein, ein Stärkenprofil zu erstellen, also alles aufzuschreiben, was sie gut können und dann alles zu markieren, was sie davon richtig gern machen. Wenn man auf diesem individuellen Stärkenprofil bei der Neupositionierung aufbaut, kommt man an die Energie, aus der Flow entsteht.

Jede Ihrer Geschichten hat ihren eigenen Zauber. Gab es eine Geschichte, die Sie persönlich besonders berührt hat?

Mich hat jede Geschichte auf ihre Weise berührt. Ich habe alle Unternehmer gefragt, was der mutigste Schritt in ihrem Leben war. Bei den meisten war das, die Sicherheit der festen Anstellung und des regelmäßigen Einkommens aufzugeben. Und ich kann aus eigener Erfahrung sagen: das ist ein mutiger Schritt. Viele Menschen, fragen einen dann, ob man verrückt sei. Doch das ist eine eigene Geschichte, die auch erklärt, warum es 88% vorziehen, angestellt zu sein.

Mich hat auch fasziniert, dass sich die Menschen in schwierigen Situationen nicht als Opfer stilisiert haben, sondern versucht haben, das Beste aus ihrer Situation zu machen, indem sie die Situation erst einmal so angenommen haben wie sie war. Davon handelt beispielsweise auch die Geschichte von Dudu Osun. Die Ehe von Erika Schiffmann ging in die Brüche. Da stand sie als Dänin mit 3 Kindern und ohne Job in Deutschland da. Eine Freundin lud sie ein, bei ihr mit einzusteigen. Das Vorhaben ging schief, Erika Schiffmann hatte ihre gesamten Rücklagen investiert, hing mit in der Insolvenz und stand plötzlich mit einem Container voller schwarzer Seife da. Heute leitet sie ihr eigenes Unternehmen „Spa Vivent“ auf einem Reiterhof und verdient ihren Lebensunterhalt mit dem Vertrieb schwarzer Seife. Ein Weg auf dem schmalen Grat zwischen Traum und Alptraum. In der Krise sieht man die Chance meist noch nicht, sondern erst, wenn man den ersten Schritt macht, um sich aus ihr zu befreien.

Ihre Marketing-Strategie für Ihr Buch ist beachtlich. Sind das alles Ihre Ideen?

Man kann kein Buch über ungewöhnliche Unternehmer schreiben, wenn man nicht selbst Spaß an ungewöhnlichen Ideen hat. Mit der klassischen PR- und Pressearbeit war ich vertraut. Als ich mich selbständig gemacht habe, habe ich Fortbildungen für Internet-Marketing besucht, um mich mit all den neuen Kanälen vertraut zu machen, über die auch die von mir Porträtierten ihren Durchbruch erreicht haben. Als Angestellte wäre ich nicht auf die Idee gekommen, zu sagen: „Follow me.“ Heute lädt meine Website WerdeWasDuKannst.de dazu ein. So erfährt jeder, der an Erfolgsteams, Erfahrungsaustauschgruppen für Unternehmer oder meinen Vorträgen zum Thema „Werde, was du kannst!“ interessiert ist, was wann wo los ist.

Ich freue mich auf die Begegnung mit den Gründern aus der .garage und die Diskussion, worauf es beim Gründen heute ankommt! Und eins verspreche ich Ihnen: Niemand verlässt den Saal, ohne 20 Erfolgstipps im Gepäck!

Website: WERDE WAS DU KANNST
Verlagslink: MURMANN VERLAG

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