Tipps für Crowdfunder

Crowdfunding boomt. Sich sein Projekt-Startgeld oder eine notwendige Investition lieber vom Schwarm als von der Bank bezahlen zu lassen, hat Konjunktur. Doch nicht jeder, der ein Projekt – egal ob ein Buch, ein Laden oder eine besondere Aktion – einstellt, schafft es am Ende auch, die Zielsumme zu erreichen. Darum wollen wir heute mal einen Blick darauf werfen, woran das liegen kann und welche Fehler Crowdfunder vermeiden können.

Crowdfunding lebt von der Masse. Es lebt davon, dass Menschen von einer Idee begeistert sind und sie weitertragen in ihre eigenen Netzwerke, wo sich dann wiederum Leute finden, die begeistert sind und die Sache gern mitfinanzieren und weiterverbreiten. Das ist ein Mechanismus, der allerdings nur klappt, wenn der Funke auch wirklich überspringt. Wenn der Pitch, also das Video oder der Text so überzeugend sind, dass auch Menschen, die den Crowdfunder nicht persönlich kennen, ihm also nicht von Hause aus wohlgesonnen und damit unterstützend sind, sich davon überzeugen lassen, dass es eine sinnvolle und gute Sache ist, wofür sie ihr Geld geben. Das heißt, der Projektinitiator muss sich zeigen, er muss die Menschen direkt ansprechen, Vertrauen aufbauen, Fremde davon überzeugen, dass es sich lohnt zu investieren, dass es – abgesehen von den „Dankeschöns“ – einen Mehrwert gibt.

Sinnvoll ist es, sich – bevor man selbst ein Projekt einstellt – andere Kampagnen zu verfolgen, ruhig selbst mal Unterstützer zu sein und so zu sehen, was funktioniert und was nicht. So lernt man auch etwas über den Ablauf, die Kommunikation und kann schauen, welche Laufzeiten angemessen sind. Selbst Unterstützer zu sein hilft dabei, hinter die Kulissen des Crowdfundings zu blicken und diesen Anschauungsunterricht für die eigene Kampagne zu nutzen.

Ein weiterer Punkt ist die Sache mit der Selbstverliebtheit. Natürlich glaubt man, dass das eigene Projekt der Renner ist. Dass die Welt da draußen gar nicht anders kann, als das Portmonee zu öffnen und die Scheine zu zücken. Falsch gedacht, denn bei der Fülle an Crowdfunding-Projekten, die Tag für Tag auf diversen Plattformen neu eingestellt werden, muss man sich schon gut überlegen, womit man herausstechen will. Und da reicht die eigene Überzeugung nicht aus. Da geht es darum, aus der anderen Perspektive zu schauen und sich immer wieder zu fragen: Was haben die Menschen davon, wenn sie mich unterstützen?

Wichtig, wenn nicht sogar der Kernpunkt für eine gelungene Kampagne, ist die Fundingsumme. Je größer die Summe, die man erzielen will, desto mehr Unterstützer benötigt man. Die Plattform Startnext hat dafür eine sehr anschauliche Formel entwickelt:

„Für Startnext Projekte gilt sehr häufig die Formel, jeder Besucher der Kampagnenwebseite steht im Durchschnitt für ca. 1€ Fundingsumme.
Der Fundingbetrag eines Unterstützers liegt im Durchschnitt bei 35€. Von 100 Besuchern unterstützen im Durchschnitt ca. 3. Für eine Fundingsumme von 10.000€ sind also etwa 10.000 Seitenbesucher erforderlich bzw. ca. 300 echte Unterstützer.“

Die Frage ist also: Wie groß schätzt Du das Netzwerk ein, das Du erreichen kannst? Wie viele Menschen kannst Du mobilisieren, von Deiner Idee begeistern? Wie viele Freunde hast Du bei Facebook, wie viele Follower bei Twitter oder auf anderen sozialen Kanälen? Wo und wann gibt es Gelegenheit darüber hinaus auf Deine Kampagne aufmerksam zu machen? Kannst Du vielleicht sogar ein Event starten, oder Dich irgendwo mit einklinken, um anderen von Deinem Projekt zu erzählen?

Allein wenn Du Dir diese Fragen stellst, wird deutlich, dass Crowdfunding eben nicht mal schnell nebenbei zu machen ist. Crowdfunding ist harte Arbeit. Vor und während und nach der Kampagne ist Dein Engagement gefragt. Ohne den nötigen Einsatz wirst Du nicht erfolgreich sein. Das fängt bei der Mobilmachung Deines Netzwerkes an, geht über die Kommunikation im Laufe der Kampagne bis hin zur Reflektion und zu einer eventuellen Neuausrichtung der Strategie, denn sicher bekommst Du zwischendurch Feedback und das muss nicht immer gut sein.

Wichtig ist auch der Zeitfaktor. Denke nicht, dass die Länge den Kohl fett macht. Im Gegenteil: Es ist besser, die Kampagne über einen kürzeren Zeitraum als drei Monate laufen zu lassen, sonst geht dem Ganzen schnell die Luft aus. Und Du weißt selbst, wie nervig es sein kann, wenn jemand alle Tage wieder über Wochen dasselbe in seiner Timeline auf Facebook postet.

Trotzdem kommt man nicht drumherum zu kommunizieren. Ich hatte es schon erwähnt – der Kontakt mit dem Netzwerk ist das A und O. Doch man muss sich schon ein bisschen mehr einfallen lassen, als ab und zu den Link zu teilen und zu hoffen, dass jemand drauf anspringt. Hier hilft wieder die direkte Ansprache. Sag, worum es Dir geht, ergründe Deine Zielgruppe und finde heraus, wie Du sie anlocken kannst.

Dabei spielen natürlich auch Deine „Dankeschöns“ eine Rolle. Je attraktiver die sind, desto größer die Chance, dass die Menschen sich in Deine Kampagne einbringen. Biete ihnen einen persönlichen Gegenwert, etwas, das sie nicht in jedem Laden kaufen können. Etwas, das Ihnen zeigt, dass Du den Wert ihres Beitrages wirklich schätzt.

Und zu guter Letzt: Beherzige Ratschläge von Menschen, die solch ein Projekt schon hinter sich gebracht haben, oder die sich wirklich damit auskennen. Auch ein oder zwei Coaching-Sitzungen zu diesem Thema können hilfreich sein. Um den Kern herauszuarbeiten, das, was Du mit Deiner Kampagne transportieren willst. Es macht wenig Sinn, als allwissender Einzelkämpfer an den Start zu gehen. Wer das tut, hat die „Geist“ des Crowdfundings nicht verstanden.

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