Downshifting für mehr Lebensqualität

Langsam ist es nicht mehr zu übersehen – in puncto Arbeit und Karriere findet ein Umdenken statt. Akademiker verweigern das große Big Business, junge Menschen streben gar nicht mehr danach und viele Ältere, die vielleicht die erste große Krise in Sachen Gesundheit hinter sich haben oder sich ganz allgemein die Sinnfrage stellen, downshiften, wie es in Amerika heißt. Sie geben den super bezahlten, dafür aber stressigen Job auf, schalten finanziell und aufwandsmäßig einen Gang runter und steigern damit ihre Lebensqualität und Zufriedenheit.

 

Egal ob selbstständig oder angestellt – es ist noch nicht lange her, da war Leistung im Job das Maß aller Dinge. Schuften bis der Arzt kommt, für Ruhm, Reichtum und Ehre. Wer nachmittags um 15:00 Uhr den Hammer fallen ließ, wurde mitleidig angesehen oder sogar als faul abgestempelt. Lehrer können ein Lied davon singen.

Diese Ansicht wandelt sich jedoch seit ein paar Jahren. Besonders die Generation Y, also die heute 15 bis 35 Jährigen sind darauf bedacht, vorrangig ihre Ideale zu leben. Mehr Freizeit zu haben, eine Arbeit auszuführen, die im wahrsten Sinne des Wortes SINN macht und mehr Zeit für das private Leben zu haben. So anwortete zum Beispiel André Stache, der Gründer von ricepipes in einem Interview für das Buch „Das Prinzip .garage“ auf die Frage, was sich denn für ihn nach der Erfahrung der Selbstständigkeit verändert hat: “ …Außerdem achte ich mehr darauf, die Balance zwischen Beruf und Privatem zu halten. Mir ist es sehr wichtig, die menschliche Ebene nicht zu vergessen.“So wie André denken immer mehr, vor allem immer mehr junge Menschen.

Freizeit ist wichtig, Sinn ist wichtig, Leben ist wichtig. Statt den lukrativen Job bei einem großen Beratungsunternehmen anzunehmen, bevorzugen sie mittlerweile die deutlich schlechter bezahlte Stelle bei einer kleineren Firma. Darüber hinaus gibt es einen deutlichen Trend zu flexiblen Arbeitszeitmodellen, Überlegungen, gleich in die Selbstständigkeit zu gehen oder im Home-Office zu arbeiten.

Vielleicht liegt es ja an den nach wie vor steigenden Zahlen von Burnout-Kranken in unserem Land. Vielleicht aber auch daran, dass das Wort Karriere immer mehr mit Begriffen wie: Überstunden, Leistungsdruck, Ellenbogen-Mentalität und mit ermüdenden Machtkämpfen assoziiert wird.  Das lockt nicht wirklich, in Wahrheit schreckt es eher ab. Wenn man montags schon die ersten Bildchen verschickt, auf denen niedliche Schlümpfe vom Wochenende reden, spätestens dann ist es Zeit, über ein Downshifting nachzudenken.

Möglichkeiten gibt es viele und die Selbstständigkeit ist eine davon. „Da muss man doch auch ständig präsent sein.“ mag jetzt der ein oder andere denken. Phasenweise mag das zutreffen. Und doch gibt es einen Unterschied, denn die Selbstständigkeit und das, was man tut, sind frei gewählt. Meist verbirgt sich dahinter die eigene Berufung, die eigene Idee, etwas, das man von Herzen gern tut. Jeder, der das gefunden hat, wird bestätigen, dass der Begriff Arbeit damit seine Bedeutung verändert. Ich arbeite, weil es mir Spaß macht, weil es meins ist. Weil ich die Freiheit habe, zu entscheiden, wie viel persönliches Engagement ich einbringe. Das ist auch nicht immer leicht und trotzdem weiß ich am Ende des Tages, für wen ich gearbeitet habe. Das trägt.

 

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