Gründerstory am Freitag – Maya Meiners Photographie

 „Mein einziger Kollege bin ich selbst – arbeiten als Freelancer“ so lautet die Überschrift des Kapitels in dem wir im .garage – eBook die Gründerin Maya Meiners vorstellen. Maya ist Fotografin und hat ihre Selbstständigkeit mehr oder weniger aus der Not heraus gestartet. In unserem Interview, das ich hier in Auszügen präsentierlogov2en möchte, beschreibt sie sehr eindrucksvoll, welchen Hindernissen und Hürden man als Freelancer begegnen kann. Aber ihr Beispiel zeigt auch, welche Freiheit sich hinter dem Schritt zum eigenen Unternehmen verbirgt.

Das Gut Jersbeck liegt ein wenig abseits von Hamburg, ein bisschen versteckt und eingebettet in einen wunderschönen Barockgarten. Hier bin ich verabredet mit einer Fotogräfin – so jedenfalls hat die Zeitschrift „LandGang“ Maya Meiners unlängst in einem Artikel genannt. Die Wortkreation passt zum Ambiente. Es ist, als würde ich an einem Urlaubsort ankommen, weit weg von meinem Alltag. Mein erster Gedanke ist, dass das ein Ort ist, der zum Verweilen, zum Ausruhen, zum Entspannen einlädt, weniger ein Ort, an dem man arbeitet. Aber vielleicht ist es auch genau richtig so, denn das Bild, das man schnell vor sich sieht, wenn das Wort Freelancer fällt, ist ein entspannter Mensch, der mit einem Laptop auf den Knien in der Sonne sitzt und neben sich einen Cappuccino zu stehen hat. Wir glauben, dass er jederzeit seinen Rechner zuklappen kann, um seine Freiheit in vollen Zügen zu genießen. Freelancer – allein das Wort klingt verlockend. Es trägt den Duft von Freiheit in sich, von Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. „Freikreierer“ heißt Freelancer wörtlich übersetzt und es impliziert, dass ein solcher natürlich nur die Arbeit macht, die ihm gefällt und wann es ihm gefällt und alles ganz in seinem Sinne gestalten kann. Soweit die Theorie. Allein die Tatsache, dass – obwohl viele davon träumen – die wenigsten diesen Traum leben, zeigt, dass die Realität wahrscheinlich etwas anders aussieht.

Wie bist du dazu gekommen, dich als Fotografin selbstständig zu machen? Das war doch nicht dein Ursprungsberuf.

Stimmt, ich habe Sozialpädagogik in Hamburg studiert und danach auch sieben Jahre als Sozialpädagogin in unterschiedlichen Arbeitsfeldern gearbeitet. Dann kam der Bruch – klassisch mit Burnout. Mir war damals klar, dass ich etwas verändern musste. Jedenfalls bin ich ein Jahr auf Reise gegangen. Mit einem alten VW-Bus durch Europa getourt und die Kurzfassung ist, dass ich danach gegründet habe.

Ohne je als Fotografin gearbeitet zu haben?

Nein, natürlich nicht. Nach dem Abitur hatte ich zwei Berufswünsche. Soziale Arbeit und Fotografie. Zunächst habe ich mich auch der Fotografie gewidmet, war ein Jahr Assistentin bei einem Modefotografen in Hamburg. Aber das Modebusiness lag mir nicht besonders, darum habe ich anschließend ein Freiwilliges Soziales Jahr absolviert und mich danach für die Soziale Arbeit entschieden. Das Fotografieren hat mich aber immer begleitet, das heißt, ich hatte parallel zu meiner Arbeit immer auch kleinere Fotojobs. Ich habe das als Ausgleich und Hobby betrachtet. Obwohl damals schon einige meiner Freunde und Bekannten gesagt haben, ich sollte mich doch als Fotografin selbstständig machen. Aber ich habe mich einfach nicht getraut. Das lag zum einen daran, dass ich mich selbst überhaupt nicht als Unternehmerpersönlichkeit gesehen habe. Ich komme nicht aus einem Unternehmerhaushalt, wo die Frauen Karriere machen. Im Gegenteil. Karriere oder wirtschaftliche, zahlenorientierte Berufe haben mich nie interessiert. Dazu kam, dass ich wusste, dass es gerade in Hamburg Tausende Fotografen gibt. Schließlich ist es eine Medienhochburg. Was sollte ich denn da noch? Ich als Quereinsteigerin, die den Beruf noch nicht einmal richtig gelernt hat. Ich fand mich zum damaligen Zeitpunkt auch einfach nicht gut genug. Also unterm Strich, alles in allem das klassische Thema, was alle Zweifel zusammenfasst: „Ich schaffe es nicht.“ Ich verglich mich mit anderen und habe immer gedacht: Ja, das ist ja ganz nett was du da machst, aber damit kannst du kein Geld verdienen.“ Ich konnte mir das einfach nicht vorstellen.

Das hört sich dann doch an, als wäre es eine Notgründung. Jedenfalls klingt es für mich trotz der Leidenschaft nicht so, als ob du es dann aus vollem Herzen getan hast.

Ich glaube, es war eine Mischung. Ich habe es ja viele Jahre lang in mir bewegt. Und mich lange, wie schon gesagt, schlichtweg nicht getraut. Heute weiß ich, dass ein Grund dafür auch mein Mangel an Informationen war. Ich wusste nicht, wie ich es umsetzen sollte. Meine Ängste waren zeitweise einfach größer als der Wunsch zu fotografieren und damit mein Geld zu verdienen. Ich kenne einige Menschen, denen das so geht. Deswegen habe ich mich vorher nicht damit beschäftigt, Unternehmerin sein zu können. Und ja es stimmt, dann war es quasi die Not, wenn man es so will. Ich sollte mich bewerben, sollte zurück in meinen alten Beruf, in dem es genug offene Stellen gab und das wollte ich auf keinen Fall. Also fragte ich mich: Wann, wenn nicht jetzt?. Also im Grunde hat die Not den Anlass gegeben, etwas sichtbar zu machen, was schon lange in mir geschlummert hat. Wäre ich nicht in Not gewesen, hätte ich es vielleicht gar nicht gemacht.

Wie waren denn die ersten Schritte? Ging es gleich nach der Gründung los?

Diese Zeit war eine echte Herausforderung für mich. Irgendwann bekam ich die Bewilligung. Dann gab es den Tag der Gründung, den ich auch offiziell mit einer Freundin gefeiert habe – sie ist zur selben Zeit wie ich in die Selbstständigkeit gegangen. Wir haben parallel die Tränen getrocknet, den Businessplan geschrieben und den Sekt getrunken und dann kam wirklich die berühmte Frage: Und jetzt? Im Grunde hatte ich ja noch nichts. Abgesehen von einer Ausrüstung und meinem Laptop. Aber es war klar, dass ich damit zwar schon etwas tun kann, aber wenn ich es wirklich professionell machen will, dann brauche ich noch mehr und vor allem brauchte ich Kunden!

Da ich gern gestalte, habe ich mich erst einmal hingesetzt und kleine Flyer mit meinem Angebot gebastelt. Für Kinder und Familien, für Hochzeiten. Ich hatte ja all die Jahre fotografiert und somit genug Material, das ich verwenden konnte. Dann habe ich allen, die ich kannte, also Freunden und Bekannten, eine E-Mail geschrieben. Habe sie darüber informiert, dass ich gegründet habe und dass ich mich über Unterstützung freuen würde. Und dann habe ich angefangen, Test-Shootings zum Selbstkostenpreis anzubieten. Einfach damit ich ins Machen kam. Denn das war für mich die zentrale Frage: Wie komme ich weg von den Planungen, hin zum Machen?

Ich war sehr aktiv, habe Termine für Fotoshootings mit Freunden und Bekannten gemacht und habe fotografiert um noch mehr Material zu sammeln. Das habe ich anschließend verwendet, um daraus kleine Fotoalben zu gestalten, die ich dann verschenkt habe. Meine Idee dahinter war, dass alle, die so ein Album bekommen, nicht nur selbst etwas zum Anschauen haben, sondern es auch anderen zeigen können. Wir kennen das doch alle. Die Fotos, die wir machen, bleiben als Datenmüll auf unseren Rechnern liegen und ich glaube viele Menschen fassen Bilder dann doch auch lieber an und schauen sie dann vor allem auch öfter an. Und mein Plan ist aufgegangen. Diese Aktion brachte mir die ersten Jobs und so kamen die Dinge ins Rollen. Plötzlich riefen Leute an und sagten: „Ich habe die Fotos bei einer Freundin gesehen und möchte auch so etwas.“
Das hat mich motiviert weiterzumachen. Also habe ich vor Weihnachten einfach Weihnachtsmotive fotografiert und Karten hergestellt. Mit denen bin ich auf einen Kunsthandwerksmarkt gegangen, habe mir einen Platz reserviert und die Karten verkauft. Parallel habe ich sie auch wieder an ganz viele Freunde geschickt und plötzlich hatte ich Kartenbestellungen von fast 400 Stück.

Das klingt mehr nach einer intuitiven Vorgehensweise als nach großer Planung.

Ja das stimmt. Ich war in gutem Kontakt mit Freunden, habe um Feedback gebeten, Literatur gewälzt und habe geschaut, was andere Fotografen machen. In dem Zusammenhang habe ich meine Konkurrenzanalyse noch mal intensiviert. Habe geschaut, was andere für Preise nehmen. Aber letztendlich hat sich Rücklauf aus meiner Bewegung heraus ergeben.

Gab es in der Phase noch Zweifel?

Ja. Die größte Hürde war mein eigenes Selbstwertgefühl. Ich glaube, das bleibt auch immer meine große Herausforderung – wobei es schon besser geworden ist. Nachdem ich den Businessplan geschrieben hatte, war ich schon auf einem guten Weg. Aber die Angst davor zu versagen, es nicht zu schaffen, war ebenso präsent wie der Zwang, mich abzuwerten, mich mit anderen zu vergleichen, auf einen Markt zu gehen, der im Prinzip übersättigt ist. Es gab aber auch die andere Seite und Phasen, in denen ich mir selbst immer wieder sagte: Ich bin ich. Ich bin besonders, indem ich es mache, und niemand macht es so wie ich. Auch wenn es Tausende Fotografen in Hamburg gibt. Ich habe eine Chance auf Erfolg, ich kann das schaffen, wenn ich an mich glaube.

Also das ist das, was ich jetzt nach gut eineinhalb Jahren sagen kann: Es hängt viel davon ab, wie ich aufgestellt bin. Wenn ich gut drauf bin, wenn ich an mich glaube und einfach mache, dann gibt es auch eine entsprechend positive Resonanz. Und wenn ich sehr mit mir hadere, dann ist es schwieriger. Dann verzögere ich bestimmte Dinge und komischerweise gibt es dann auch von Kundenseite her Verzögerungen oder Absagen. Das spiegelt sich.

Was hat dich denn in der Anfangsphase am meisten motiviert?

Für mich war es wirklich immer das Wichtigste ins Machen zu kommen. Und es war toll, dass ich wahnsinnig viel Unterstützung von Freunden und von meiner Familie bekommen habe. Ganz viele haben einfach aufgeatmet, als ich diesen Schritt gegangen bin. Manche haben ja schon Jahre auf mich eingeredet und sie glauben alle an mich. Das war gut – wenn mir selbst der Glaube ab und an gefehlt hat, dann haben Freunde das überbrückt. Und es war nicht so ein wohlgemeintes Zureden, im Sinne einer behütenden Mutter, die grundsätzlich alles toll findet, was ihre Tochter macht. Nein es war echter, überzeugter Glaube an mich und meine Fähigkeiten und das war schlichtweg super.

Hast du dich spezialisiert, um dich von der Konkurrenz abzuheben?

Also alles fotografiere ich nicht. Ich glaube, ich bin vielseitig und mein Alleinstellungsmerkmal ist wahrscheinlich meine Doppelprofession. Das, was ich gut kann, ist, mit Menschen zu arbeiten und Menschen zu fotografieren, die sich nicht für besonders fotogen halten. Ich schaffe einen Rahmen, in dem sich meine Kunden, auch Fotoangsthasen, wohlfühlen. In dieser Atmosphäre entstehen dann Bilder, mit denen sich die Menschen dann identifizieren können. Von April bis September fotografiere ich Hochzeiten. Alles, was zu Emotionen und Natürlichkeit gehört. Trotzdem entwickeln sich weitere Themen. Mein Faible für Natur hat mir auch Felder eröffnet. So habe ich Kunstkarten erstellt, die von einem Förderverein hier aus der Gegend, in der ich lebe, verkauft werden. Dann habe ich eine Anfrage von einem Hotel, welches sich atmosphärische und emotionale Imagebilder wünscht.
Ich probiere mich aus. Mein Kerngeschäft ist aber die Arbeit mit Menschen. Hochzeiten, als ein Schwerpunkt und Porträts im weitesten Sinne als einen anderen Schwerpunkt. Ich habe aber auch andere kleine Samen gesät und schaue mal, was daraus sprießt. Zum Beispiel diese Postkarten, von denen ich eingangs erzählte. Oder es gibt ein Porträtprojekt hier im Ort mit Interviews. Das sind so kleine Geschichten, die sich nebenher ergeben.

Was ist das Schönste an deinem Freelancer-Leben?

Dass ich den Freiraum habe, selbst zu entscheiden und meinen Tag selbst zu gestalten. Dass ich tun kann, was mich inspiriert und wofür mein Herz schlägt. Dass ich mich nicht mehr verbiegen und gegen meine Überzeugungen handeln muss. Ich meine, als ich angestellt war, habe ich auch entschieden, angestellt zu sein, habe mich also auch für diesen Arbeitgeber entschieden. Dazu hat mich ja niemand gezwungen. Aber wenn ich mich erst einmal entschieden habe, dann auch zu den Bedingungen, die dort eben vorherrschten. Ich habe viele Dinge gemacht, die gegen meine Natur, meine innere Überzeugung und meine Werte waren. Und das muss ich jetzt nicht mehr. Wenn man selbstständig ist, dann wird einem noch viel mehr klar, dass und wie man selbstbestimmt und eigenverantwortlich handelt. Dass man alles selbst gestaltet, die Art wie man arbeitet, die eigene Selbstständigkeit, das eigene Unternehmen. In meinem Fall: Alles, was ich habe und was ich bin und was man außen sieht, habe ich sozusagen selbst ins Leben gebracht. Und das finde ich toll. Ich mache das im Grunde nur für mich, aus mir heraus. Und wenn ich damit noch andere Menschen begeistern kann und glücklich mache, dann ist das fantastisch. Es ist einfach positiv.

Das ganze Interview kannst Du hier lesen: Das Prinzip .garage

Maya Meiners photographie
www.maya-meiners.de

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Kat

    Klasse Interview! Durfte Maya im Mai selbst persönlich kennen lernen und sie hat ganz fantastische Fotos von uns gemacht – bin selbst Fotografin in den USA und war stark beeindruckt.

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