Abgeben lohnt sich!

Dass Delegieren eine Kunst für sich ist, daran besteht kein Zweifel. Wir hatten hier an dieser Stelle auch schon das ein oder andere dazu geschrieben, möchten es aber trotzdem noch einmal aufgreifen, weil es für viele Gründer aber auch für gestandene Chefs immer wieder eine besondere Herausforderung darstellt, Aufgaben vertrauensvoll in andere Hände zu legen.

Dazu gibt es eine kleine Geschichte, die ich neulich gelesen habe. Ein Journalist will einen Interviewtermin mit dem Chef einer großen Firma vereinbaren. Das ist normalerweise schwierig, haben Chefs doch nie Zeit. Anders in diesem Fall. Der Journalist fragt an und bekommt innerhalb von zwei Tagen den gewünschten Termin. Vor Ort registriert er, dass sich auf dem Schreibtisch des Konzernbosses keine Aktenberge stapeln, sondern ausnahmslos nur Unterlagen liegen, die für dieses Interview relevant sind. Der Chef wirkte weder gehetzt noch so, als stünde er unter Zeitdruck. Auf die Frage des Journalisten, wie das denn kommt, dass das mit dem Termin so schnell ging, antwortete der Unternehmer: „Ich bin der Chef! Meine Arbeit ist die Strategie. Alles andere delegiere ich.“

Klingt gut, oder? Und für manche ist das der Traum, während die Realität so aussieht, dass sich der Chef vor Arbeit kaum retten kann und das das, was eigentlich seine Aufgabe wäre, nämlich das Unternehmen zu führen und zu lenken, einfach zu kurz kommt. Oder es gibt den anderen Fall, dass jemand mit einem „Kerntalent“ ein Unternehmen gründet und sich irgendwann im Dschungel der administrativen und organisatorischen Tätigkeiten verirrt.

Natürlich muss man etwas differenzieren. In einem kleinen Unternehmen sind die Möglichkeiten des Delegierens begrenzt. Da steckt der auch Chef mitten im täglichen operativen Geschäft. Betreut Kunden oder schraubt Fahrräder zusammen. Und trotzdem ist es wichtig, die Dinge, die wirklich Chefsache sind, herauszufiltern und sich dafür Zeitfenster zu schaffen. Und das funktioniert, in dem andere Aufgaben eben delegiert werden.

Hier ein paar Tipps, die dabei helfen:

1. Schritt für Schritt

Fangen Sie mit einer Aufgabe an, die Sie abgeben! Etwas, das sie normalerweise sonst erledigen. Die gewonnene Zeit nutzen Sie ausschließlich dafür, etwas zu tun, das wirklich nur Sie erledigen können. Das kann dann Schritt für Schritt gesteigert werden.

2. Vertrauen Sie!

Wie bereits geschrieben – entdecken Sie die speziellen Fähigkeiten Ihrer Mitarbeiter und vertrauen Sie darauf. Vielleicht ist es ja sogar so, dass Ihre Mitarbeiter einige Aufgabe besser erledigen können, als Sie selbst. Sicher können Sie vieles gut, aber andere haben eben auch spezielle Fähigkeiten und diese nicht zu nutzen, wäre glatte Verschwendung.

3. Können statt müssen

Der worst case für jeden Unternehmer ist ja, dass er selbst ausfällt und seine Arbeit nicht mehr verrichten kann. Natürlich denkt man normalerweise nicht darüber nach. Die Wahrheit ist aber, dass das schneller gehen kann, als man denkt. Insofern ist es doch besser, wenn das Delegieren zunächst ein Kann ist, dann funktioniert es, wenn daraus eventuell mal ein Muss wird, umso besser!

Fazit: Delegieren fällt nicht leicht und trotzdem ist es unerlässlich für jede Führungskraft – egal ob im Büro drei Mitarbeiter sitzen, oder Sie ein Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern führen. Geben Sie ab und konzentrieren Sie sich auf Ihre Kernkompetenz und auf die strategische Leitung des Unternehmens. Damit behalten Sie nicht nur einen ordentlichen Schreibtisch, wie im eingangs zitierten Beispiel, sondern vor allem den Überblick.

 

 

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