Zwischen Gründerhype und Resignation

Verfolgt man ein wenig das, was in der „Gründerszene“ kommuniziert wird, könnte man schnell den Eindruck gewinnen, dass die Szene ständig wächst und junge innovative Pioniere nahezu Schlange stehen, um Deutschland mit international erfolgreichen Gründungen nach vorn zu bringen. Doch der Schein trügt. Die Zahl der Neugründungen sinkt seit 2004 kontinuierlich und selbst wenn im IT-Bereich die Fahnen noch oben gehalten werden – in anderen Branchen finden sich immer weniger Menschen, die Selbstständigkeit als ein erstrebenswertes Ziel betrachten.Gleichzeitig verschwinden viele junge Unternehmen, die vielversprechend gestartet sind, lautlos wieder vom Markt.

Neulich stand ich ein wenig ratlos vor einem Laden in Berlin Schöneberg, der erst vor gut zwei Jahren eröffnet hatte. Die Scheiben waren mit Packpapier zugeklebt und an der Eingangstür klebte ein Zettel, auf dem die Inhaberinnen (zwei junge Frauen) die Kunden darüber aufklärten, dass das Geschäft aus wirtschaftlichen Gründen leider geschlossen werden musste. Kein Einzelfall. Gingen die Insolvenzen 2012 noch leicht zurück, ist für das erste Halbjahr 2013 wieder ein Anstieg zu verzeichnen. So bestätigte die Ratingagentur Creditform, dass vor allem kleinere und mittlere Unternehmen davon betroffen sind. Im Umsatzsegment bis 100.000 Euro stieg die Insolvenzrate um 8,4 Prozent, im Segment bis 250.000 Euro Jahresumsatz um 6,9 Prozent. Besonders erschreckend ist die Tatsache, dass Kleingewerbetreibende 47,8 Prozent aller Insolvenzen ausmachten. Das ist ein Anstieg von 3,5 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Nun kann man orakeln, woran das liegt. Schwächelnde Konjunktur, fehlende Kunden, fehlender Mut, der auf einem hohen Sicherheitsdenken fußt, mangelndes Interesse daran sich für den Job abzurackern oder fehlende Unterstützung seitens des Staates. Sicher spielt all das eine Rolle. Dazu kommt aber noch,dass es vor allem jungen Unternehmen an gutem und qualifizierten Personal mangelt. Denn wer will, wenn er gut ausgebildet ist, schon zu einem Unternehmen gehen, das gerade erst am Start ist, von dem man nicht weiß, wie es sich entwickelt und das vielleicht auch nicht besonders viel Gehalt zahlen kann, weil das Geld knapp ist. Und so rackern sich viele Gründer wirklich selbst ab, zerreißen sich zwischen Verantwortlichkeiten, was sich meist negativ auf das eigentliche Kerngeschäft auswirkt oder Dysbalancen zwischen Arbeit und Privatem schafft.

Das Wort Krise ist ja mittlerweile abgegriffen und rundgelutscht, sei es durch die Zeitungskrise, die Eurokrise, diese oder jene Krise. Und so ist man in diesem Land und besonders auf der politischen Ebene offensichtlich schon so abgestumpft, dass gar keiner mehr wahrnimmt, dass diese Entwicklung wirklich Krisencharakter hat. Denn während die Insolvenzen steigen, sinkt gleichzeitig auch die Zahl der Neugründungen. Da kann ein Herr Dr. Rösler noch so oft davon plaudern, dass es Aufgabe der Politik sei, wachstumsfreundliche Bedingungen für Gründer zu schaffen, wie er es erst kürzlich auf einem Xing-Event in Hamburg getan hat. Es passiert nichts und es wird auch nach der Wahl nichts passieren. Zudem bleibt der Verdacht, dass gerade die FDP sich gern mit der noch innovativen Start-up-Szene schmückt, die eigentliche Masse, die, die das Wirtschaftsvolumen wirklich verbessern könnte, indem sie mit Neugründungen Arbeitsplätze schafft, jedoch schlichtweg vergessen und reichlich stiefmütterlich behandelt wird. Das kann sich ein Land, das an der Spitze mithalten will, auf Dauer nicht leisten.

Vielleicht brauchen wir wieder einen Neuen Markt. Was wir in Deutschland aber viel mehr brauchen, sind verlässliche Starthilfen für Gründer, die nicht Legislaturperiodenabhängig zum Spielball veränderungswütiger Minister werden. Gründer, die Arbeitsplätze schaffen, müssen unterstützt werden, es müssen Anreize auf den Tisch, die es jenen, die Ideen und den entsprechenden Mut haben, erleichtern, die ersten schwierigen  Jahre zu überstehen. Und das möglichst, ohne Hunderte von Papieren ausfüllen zu müssen.

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