Von der Schulbank ins eigene Unternehmen

Man kann ja über den einstigen Geld-Papst Bodo Schäfer denken, was man will. Mit dem Buch „Ein Hund namens Money“ hat er ein Werk verfasst, das eigentlich zur Standardausstattung jeder Kinderzimmerbibliothek gehören sollte. Warum? Weil es sinnvoll ist, Kindern so früh wie möglich den Umgang mit Geld beizubringen und weil es sinnvoll ist, Kinder dazu zu ermutigen, eigene Ideen umzusetzen und ihren noch gut ausgeprägten Erfindergeist zu fördern beziehungsweise die Lust am Ausprobieren zu unterstützen.

Ich habe es ja schon in den letzten Posts angeschnitten – „Gründen in Deutschland“ ist ein großes Thema. Wobei es momentan so aussieht, als würde es zwar groß kommuniziert, im Kleinen allerdings recht stiefmütterlich behandelt, denn eine wahre Unternehmerkultur haben wir leider nicht. Um so etwas zu entwickleln, braucht es Programme, die dort ansetzen, wo der Forschergeist noch frei ist und die natürlichen Ideenquellen noch sprudeln ohne gleich von Zweifeln blockiert zu werden: in der Kindheit.

Nun höre ich schon den einen oder anderen sagen, dass man die Kinder doch bitte Kinder sein lassen sollte und nicht schon in jungen Jahren kleine Unternehmer aus ihnen basteln sollte.  Das sehe ich völlig anders, denn will man Kinder wirklich in ihrer Entwicklung unterstützen, dann sollte man zum einen die Fähigkeiten, die sie haben – und dazu gehören besagte Neugier, Forscherdrang, Ideenreichtum, Phantasie – fördern und man sollte ihnen meiner Ansicht nach auch einfach mehr zutrauen. Es geht nicht darum, aus jedem Kind einen Internetmillionär zu machen. Aber sie den Prozess durchlaufen zu lassen, der da lautet: Ich habe eine tolle Idee und ich schaue mal nach Möglichkeiten, wie ich diese Idee vielleicht sogar gewinnbringend umsetzen kann und innerhalb dieses Weges nebenbei noch zu lernen, wie unser Wirtschaftskreislauf funktioniert, das finde ich, wäre eine lohnenswerte Sache.

Wenn ich von jungen Unternehmern spreche, dann hat vielleicht der ein oder andere auch noch das Bild von Lars Windhorst vor Augen, der einst als gehypter Jungunternehmer wie Ikarus aufstieg um sich anschließend gehörig die Flügel zu verbrennen. Das wünscht man seinem Kind natürlich nicht. Und doch wäre es für unsere Gesellschaft ebenfalls lohnenswert, das Scheitern wieder als Teil des Prozesses anzunehmen und nicht als Stigma zu verdammen. Wer gescheitert ist, der war zuvor mutig genug, etwas zu wagen. Das sollte man nicht vergessen.

Aber zurück zu den jungen Unternehmern. Ansätze das zu fördern gibt es hier und da schon. „Jugend forscht“ ist ein Programm, wobei man sich dabei noch etwas schwer tut, die Chance des Unternehmertums herauszustellen. Die Ökonomin und Regisseurin Judith Wilske dagegen hat explizit das Programm „Kinder zu Unternehmern“ gestartet und argumentiert auf ihrer Internetseite sehr richtig: „In unserer ökonomisierten Gesellschaft brauchen Kinder Erfahrungen jenseits der Konsumentenrolle.“Und last but not least gibt es das Programm des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. „YouColl – Youth Collaboration eG i.G.“ auf das ich schon hingewiesen habe.
Fazit also: Wir sind auf dem richtigen Weg. Ich glaube, es sind am Ende die Eltern, die mehr Mut brauchen, ihren Kindern etwas zuzutrauen. Vielleicht ändert sich das, wenn man das Thema  häufiger kommuniziert und mehr Wertschätzung auf das Potential der Kinder legt. Eine kleine Veränderung, die nicht nur der Gründerkultur Deutschlands gut zu Gesicht stehen würde, sondern auch gesellschaftlich einiges bewirken könnte.

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Dönni

    Die diesjährige Vision Summit hatte genau das zum Thema „Integration von unternehmerischen Fähigkeiten in den Schulalltag“. Es gibt dazu auch schon einige Initiativen: siehe unter Bildungpartner: http://www.visionsummit.org/events/308-192013/allgemeine-infos/veranstalter.html

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