Röslers Innovation

Lange habe ich mich gefragt, was denn unser Wirtschaftsminister Philipp Rösler in der Politik für eine Rolle spielt. Offensichtlich hat er sich die Frage selbst gestellt und sich nun, so wie ein Gründer nach einem Alleinstellungsmerkmal sucht, das Thema Gründerförderung auf die Fahne geschrieben. Das passt zur FDP und es passt als Gegendynamik zu der seltsamen nicht gerade gründerfreundlichen Politik der Bundesregierung. Letzter Coup des Ministers –  ein millionenschweres Förderprogramm für risikofreudige Investoren, die in Start-ups investieren wollen. Wagniskapital ist der Fachbegriff dafür und offensichtlich hat Rösler damit den Nerv der Zeit getroffen.

Denn kaum in die Welt gebracht, liegen bis zum 22. Juli bereits 391 Unternehmensanträge und 150 Investorenanträge vor. Das ist eine stolze Leistung für die kurze Zeit und es zeigt zwei Dinge. Erstens, dass der Bedarf junger Ideengeber und Gründer an Kapital hoch ist und zweitens, dass auf der anderen Seite die Bereitschaft gibt, in moderne, frische Unternehmen zu investieren. Das alles hat sicher noch lange nicht die Dimensionen erreicht, wie wir sie in Amerika vorfinden. Aber es ist ein Anfang und wenn Minister Rösler schon ins Silicon Valley reist, um sich Innovation selbst auf die Fahne zu schreiben, dann ist das doch ein Zeichen!

Natürlich geht es darum, Anreize zu setzen, dieses Programm schmackhaft zu machen, Investoren zu locken. Warum auch nicht. Wir können uns schließlich nicht immer auf unserem weltweit guten Ruf, innovativ und fortschrittlich zu sein, ausruhen. Im Gegenteil. Um glaubhaft zu sein, muss die Regierung Zeichen setzen und junge Unternehmen, die hier in Deutschland entstehen, unterstützen. Schließlich nehmen Start ups mittlerweile einen beachtlichen Teil innerhalb der deutschen Wirtschaft ein.

Und Fakt ist auch, dass das Programm Röslers ja quasi auch ein Geschenk an die Gutverdiener ist, die bereit sind, ihr Kapital einzusetzen und damit das Wirtschaftsrad am Laufen zu halten. Das braucht die junge Start-up-Szene, das braucht unser Land. Im Falle einer Beteiligung erhält der Investor immerhin 20 Prozent seiner gesamten Investitionssumme als Zuschuss. 150 Millionen Euro Wagniskapital sind im Topf, der bis zum Jahr 2016 ausgeschöpft werden kann.

Wie kommt man an das Geld?

Natürlich nicht, ohne ein paar Bedingungen zu erfüllen! Zunächst muss es sich um ein kleines, bestenfalls natürlich innovatives und vor allem unabhängiges Unternehmen handeln, das frisch an den Start geht – heißt konkret: es muss jünger als zehn Jahre sein. GbRs, Partnergesellschaften und Freie kommen nicht in den Genuss, weil es sich um eine Kapitalgesellschaft handeln muss, die ihren Sitz in der EU hat und mindestens eine Zweigniederlassung oder Betriebsstätte in Deutschland nachweisen kann, die im Handelsregister eingetragen ist.

Was heißt das konkret?

Das Unternehmen muss:

  • innovativ sein
  • weniger als 50 Mitarbeiter haben
  • einen Jahresumsatz von höchstens zehn Millionen Euro einfahren

Und wenn Ihnen jetzt die Ohren schlackern, weil Sie sich denken, dass Sie mit Ihrer Idee meilenweit davon entfernt liegen, dann trösten Sie sich damit, dass die KfW-Bankengruppe viele weitere Fördertöpfe bereit hält, die auch in kleinem Rahmen dienen und helfen, ein Unternehmen durch die schwierigen ersten Jahre zu bringen. Wir informieren Sie gern!

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Herr Rösler glänzte leider noch nie mit wirtschaftlichem Expertentum. So auch hier. Leider verspielt seine Partei ihre Zielgruppe immer weiter. Es gibt eben Gründer, die die Politik will und Gründer, die von solchen Programmen rein gar nichts haben. Komisch, dass Innovation angeblich immer erst bei Kapitalgesellschaften entsteht…

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