Selbstständig mit einer guten Idee

Sie kennen sicher das Motto der .garage: „Selbstständig mit einer guten Idee“. Ich möchte es heute aufgreifen, um all jenen Mut zu machen, die eine oder viele gute Ideen im Kopf haben, sich aber nicht so richtig an die Realisierung herantrauen, oder die Eingebung mit einem Satz wie: „Das braucht ja eh keiner!“ oder: „Sich in der heutigen Zeit selbstständig zu machen, ist doch verrückt!“ abbügeln.

Natürlich ist es verrückt und ob jemand Ihre Idee braucht, wird sich zeigen. Aber mal ehrlich, lohnt es sich nicht, wenigstens mal den nächsten Schritt zu wagen und zu prüfen, ob in der Idee vielleicht sogar mehr steckt als nur Vermutungen, Träumerei oder Wunschdenken?
Einer meiner ersten Klienten war 2002 ein damals arbeitsloser Ingenieur, der bis zur Kündigung wegen Umstrukturierung lange Zeit bei einem großen Unternehmen beschäftigt war, dem die Arbeitsagentur später eine Umschulung bezahlt hatte und der nun mit fast 50 Jahren und einem Vermittlungsgutschein vor mir saß und wieder eine Festanstellung suchte. Ich sah mir seinen Lebenslauf an, wir gingen das normale Prozedere durch, Stärken herausarbeiten, potentielle Arbeitgeber suchen, Bewerbungen formulieren und so weiter. Ich spürte, dass ihm das alles nicht viel Freude bereitete, er irgendwie gebremst war und obendrein ein wenig hoffnungslos, weil er schon so viele Absagen kassiert hatte.

Irgendwann wurden die Beratungsstunden zäh und ich fragte ihn, was ihn denn abgesehen von seinen gelernten Berufen und der Familie, noch begeistert. Und da fingen seine Augen an zu leuchten. Vor mir saß plötzlich ein ganz anderer Mann, der mir mit aufrechter Körperhaltung, mit Esprit und Leidenschaft von einem Katamaran erzählte, den er selbst gebaut hatte, der aber aufgrund eines Segelunfalls im Mittelmeer nun auf dem Trockenen lag und mit dem er eigentlich gern Segel-Törns anbieten würde. Ich fragte ihn, warum er das nicht macht und dann kamen all die Begründungen (siehe oben): zu verrückt, schon mal gescheitert, wer will das, was sagt die Familie und so weiter.

Ich weiß nicht mehr genau, was ich damals gesagt habe, ich weiß nur, dass ich ihn darauf aufmerksam gemacht habe, wie unterschiedlich seine Ausstrahlung ist, wenn er Bewerbungen für eine Festanstellung schreibt oder von seinem Traum erzählt und ich habe ihn mit Sicherheit gefragt, ob er dieses Leuchten, diese Energie weiter verraten und verleugnen will.
Er wollte nicht – also haben wir geplant, gerechnet, geträumt. Er hat den Katamaran wieder instandgesetzt, hat sich Mitfahrer für die Überführung in die Türkei gesucht und dann war es soweit. Ich habe mich so sehr mit ihm gefreut, habe seine Reise im Internet verfolgt und schaue auch heute noch manchmal auf seine Seite, um zu sehen, wie es ihm geht.
Für mich ist sein Weg immer wieder beispielgebend dafür, dass wir unsere Ideen und Träume nicht aufgeben, sondern verfolgen sollten. Auch mit dem Risiko, dass es nicht klappt, wir scheitern oder wir im Laufe der Planung feststellen, dass es so, wie gedacht, doch nicht umsetzbar ist. Aber dann haben wir es wenigstens gewagt. Oder wie Frederike Frei so wunderschön gesagt hat: „Ich kann meine Träume nicht fristlos entlassen, ich schulde ihnen noch mein Leben!“

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