Marktbewegung als Chance

Dass Märkte einem steten Wandel unterliegen, ist kein Geheimnis. Spannend wird es dann, wenn die Marktbeherrscher diesen Wandel ignorieren oder aus einer gewissen Unflexibilität heraus, nicht in der Lage sind, sich anzupassen. Dann kann es schnell passieren, das alteingesessene Branchenriesen von heute auf morgen von der Bildfläche verschwinden und damit Platz für kleine, innovative Nischenunternehmen machen.

Am letzten Freitag war ich auf der Leipziger Buchmesse. Als treuer Gast kenne ich die Messe seit einigen Jahren und durch meine Tätigkeit als Autorin ist mir die Buchbranche sehr vertraut. Insofern weiß ich um die Unsicherheiten, die derzeit durch den Buchmarkt wabern. Dass es aber selbst auf der Messe so deutlich zu spüren war, hat mich allerdings dann doch sehr überrascht.

Auf den ersten Blick war ja eigentlich alles wie sonst. Bücher über Bücher. Bekannte große Verlage, kleinere Verlage, Lesebühnen und jede Menge Publikum. Die Branche gibt sich optimistisch „Das Buch in seiner Vielfalt steht ungebrochen bei den Lesern hoch im Kurs“, so die Presseabteilung der Messe am Abschlusstag. Das mag stimmen und doch wird in absehbarer Zukunft ein Sturm durch den Buchmarkt toben, der ihn mit Sicherheit kräftig durcheinander rüttelt.
Der Hightechverband Bitkom fand in einer Untersuchung heraus, dass bereits jetzt jeder fünfte Bundesbürger lieber digital liest. Ein Blick über den großen Teich lässt erahnen, wo das hin geht. In Amerika gehen die E-Book-Käufe steil nach oben: 28,2 Prozent aller gekauften Bücher im November 2012 waren digital.
Davon, dass E-Books im Trend liegen, war jedoch auf der Messe wenig zu sehen. Ich hatte eher den Eindruck, dass alle E-Book-Stände irgendwo abseits zu suchen waren und man krampfhaft bemüht war, das Erbe des gedruckten Buches hochzuhalten.

Eine andere Auffälligkeit war für mich, dass sich die großen Verlage immer mehr gleichen. Ein Trend, den man auch in der Zeitungsbranche, der Automobilbranche und Modebranche ablesen kann. Mir fehlt da ein eigenes Profil. Ich musste manchmal wirklich hoch schauen und am Werbebanner ablesen, bei welchem Verlag ich eigentlich stehe, weil irgendwie ist das Angebot mittlerweile bei allen identisch. Sachbuch/Belletristik/ein paar Promis – alles eine Soße, egal ob oben Heyne, Random House oder Bastei Lübbe steht. Dazu Neuerscheinungen ohne Ende.

Aber wahrscheinlich liegt genau darin die Chance des Wandels. Denken Sie an den Versandhandel und das Ende von Quelle und Co. während Zalando lässig schreiend den Markt erobert. Ähnlich wird es in der Buchbranche passieren. Altes wird wegbrechen, der Markt wird bereinigt werden, dafür bekommen neue innovative Unternehmen, die sich den Gegebenheiten und den Kundenwünschen besser und schneller anpassen können, eine Chance. Insofern stehen die Zeichen gut für alle, die mit neuen Ideen den Buchmarkt erobern wollen.

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Cornelia

    Der Versandhandel ist ein schönes Beispiel, man kann es aber auch sehr gut mit der Musikbranche vergleichen welche von der Digitalisierung überrannt wurde. Wirkliches Problem ist glaube ich, dass die Verlage genauso stoisch zusehen wie viele andere Branchenriesen vor ihnen. Es sollte doch eigentlich deutlich sein, dass man diesen Marktumschwung nicht einfach Todschweigen kann. Trotzdem wird an alten Relikten festgehalten, die Veränderung verleumdet und so weitergemacht wie bisher. Dabei wäre es ein leichtes seine Leistungen au den neuen Markt einzustellen. Doch noch ist es noch zuspät und selbst wenn die großen Verlage ihre Chancen vertun, kleinere Privatverlage wie Frieling können mit kleinen Anpassungen sicherlich zu den Gewinnern zählen (http://www.frieling.de/autor-werden).

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