Gründer 50+

Laut einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Gallup hat fast jeder dritte Arbeitnehmer über 50 innerlich gekündigt. Dass heißt, er oder sie fühlt sich mit dem Unternehmen oder/und der tagtäglichen Arbeit emotional kaum noch verbunden. Dienst nach Vorschrift, die Zeit absitzen bis zur Rente oder Verweigerung – die Liste der Auswirkungen ist lang. Vielen fehlt der Mut, noch einmal neu durchzustarten – dabei schlummert gerade in dieser Generation ein unglaubliches Potential.

Wissen gepaart mit Erfahrung in Sachen Planung, Organisation und Führung. Wer fast 30 Jahre beruflich seinen Mann gestanden hat, der hat den Jüngeren etwas voraus. Bei Frauen kommt noch hinzu, dass sie durch das Mehr an Familienarbeit strukturiertes Planen, Kalkulieren und Organisieren gewohnt sind. Menschen der Generation 50+, auch Babyboomer genannt, weil das die geburtenstarken Jahrgänge waren, verfügen darüber hinaus meist über ein gefestigtes Selbstvertrauen, eine realistische Risikoeinschätzung und Erfahrungen damit, Verantwortung zu tragen. Einschränkend muss man jedoch sagen, dass besonders das Selbstvertrauen und die Risikobereitschaft häufig verloren gehen, wenn Arbeitslosigkeit oder eben innere Kündigung des Alltag prägen. Manchmal fehlen auch Kenntnisse im kaufmännischen Bereich oder es mangelt an Bereitschaft, forsch und selbstbewusst die Akquise anzugehen. Häufig sind auch durch längere Arbeitslosigkeit die Sparreserven aufgebraucht, so dass die Gründer 50+ auf Finanzierung angewiesen sind.

Aber all das ist planbar und wie gesagt, ganz oben auf der Liste steht der immense Erfahrungsschatz, den Gründer dieser Generation in ihr eigenes Unternehmen einbringen können. Auch nicht zu unterschätzen sind die vielen Kontakte – ob beruflicher oder privater Natur, die in jeder Gründungsphase genutzt werden können. Auch gibt es in jedem Bundesland spezielle Fördermodelle für die Generation 50+.

Am Ende ist es vermutlich keine Frage des Alters, ob und wie erfolgreich eine Gründung ist. Ein gutes Beispiel dafür ist die Firma Galantos – ein Unternehmen, das im Marktsegment Biotechnologie seit 2005 zu Hause ist und dessen Gründer Prof. Dr. Alfred Maelicke und Prof. Dr. Ulrich Jordis beide 67 waren, als sie den Schritt in die Selbstständigkeit vollzogen. Oder Petra Frede (52), die in der Schlecker-Pleite ihre Chance gesehen hat und den Laden, in dem sie einst als Verkäuferin arbeitete, übernommen und daraus einen Tante Emma Laden gemacht hat.

Es ist nicht zu übersehen – der demografische Wandel verändert unsere Gesellschaft. Die Generation 50+ lässt sich nicht mehr zum alten Eisen abstempeln, schließlich liegen laut statistischer Lebenserwartung mindestens noch 30 Jahre vor ihr, also weg mit den alten Mythen, dass ältere nicht mehr so viel leisten können, oder dass das, was sie bis dahin nicht gelernt haben, auch nicht mehr erlernbar ist.
Allen, die Teil dieser Generation sind, kann man nur Mut machen und sie motivieren, aus der inneren Kündigung auszusteigen, sich neu zu orientieren und uns Jüngeren den großen Erfahrungsschatz und ihr Können zur Verfügung zu stellen.

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