Pause – nein danke!

„Jetzt spinnt sie!“, denken Sie vielleicht, wenn Sie die Überschrift lesen. Pausen sind doch wichtig! Pausen helfen uns, Müdigkeit zu überbrücken, neue Kraft zu sammeln oder kurz mal abzuschalten und die Seele baumeln zu lassen. Ja – genau das habe ich auch gedacht, bis ich dann eine Studie gelesen habe, die zu einem ganz anderen Schluss kommt.

Verantwortlich für diese neue Erkenntnis ist Charlotte Fritz, Professorin für Industrial and Organizational Psychology an der Portland State University. Sie ist sozusagen die Pausen-Expertin – wobei sie mit ihren Untersuchungen bei den großen Pausen, wie Urlaub und Auszeit, angefangen, sich dann über die Wochenend-und Mittagspausen hin zu den sogenannten Mikro-Pausen geforscht hat. Damit sind all jene Unterbrechungen gemeint, die wir gern mal in den Arbeitsalltag einschieben. Der Gang zur Kaffeemaschine, der private Plausch mit der Kollegin oder der Tochter am Telefon, der Spaziergang auf dem Firmenflur, von dem wir uns geistige Erfrischung erhoffen.

Leider bleibt es bei der Hoffnung, denn wie Frau Fritz herausgefunden hat, sind solche Pausen nicht nur was den Arbeitsprozess angeht, kontraproduktiv, sondern sie tragen keineswegs zu unserer Erholung bei. Es sei denn, wir beschäftigen uns in den Pausen gedanklich oder im Gespräch auch mit unserer Arbeit. Ein Fakt, den Sie als Chef gleich an ihre Mitarbeiter übermitteln sollten. Allerdings mit einem kleinen Augenzwinkern, denn – und das sagt natürlich auch Professorin Fritz – Pausen sind wichtig. Nur kommt es eben auf die Länge der Pause an und darauf, wie viel Abstand wir mental gewinnen. Die Formel scheint zu lauten:
Kurze Pause – bei der Arbeit bleiben und längere Pause – Abstand gewinnen.

Gerade Letzteres ist für uns im digitalen Zeitalter immer schwieriger. Wie oft werden noch während eines romantischen Dinners schnell mal eben die Firmen-Mails gecheckt oder wird beim Lauf auf dem Crosstrainer das letzte Meeting gedanklich durchgekaut. Damit bringen wir uns leider um den Erholungseffekt, den solche Auszeiten haben sollen.

Natürlich reden wir hier am Ende über eine statistische Erhebung, der man sicher mit einer wohlwollenden Skepsis begegnen sollte. Trotzdem fand ich das Ergebnis irgendwie logisch, denn ich kenne es selbst, dass eine kurze Unterbrechung – sei es nun, um mir ein Getränk zu holen oder ein Telefonat zu führen, mich schnell aus dem Arbeitsflow bringt und ich dann wieder Zeit investieren muss, um neu einzusteigen.
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