Mehr Schein als Sein

Scheinselbstständig – oder nicht? Eine Frage, die für viele Freie und Unternehmer gar nicht so leicht mit einem Ja oder Nein zu beantworten ist. Dabei ist es wichtig, sich intensiv mit diesem Thema auseinanderzusetzen und den Status zweifelsfrei zu klären, sonst könnte es irgendwann ein böses Erwachen geben. Vor allem dann, wenn man selbst als Unternehmer Aufträge weitergibt.

Ich kann mich noch gut erinnern, dass es in dem Gründungskurs, den ich einst besucht habe, pauschal hieß: „Wenn du mehrere Auftraggeber hast, dann bist du nicht scheinselbstständig.“ Mit diesem Argument war ich damals beruhigt, denn meine Auftragslage erfüllte genau das genannte Kriterium. Heute weiß ich jedoch, dass diese Aussage zu den hartnäckigen Gerüchten gehört, die sich rund um das Thema Scheinselbstständigkeit ranken. Denn zum einen bin nie ich selbst scheinselbstständig, sondern lediglich eines meiner Auftragsverhältnisse kann diesen Status haben, zum anderen kann ich für mehrere Auftraggeber arbeiten und mit einem von denen trotzdem eine Scheinselbstständigkeit führen.

Darum lohnt es sich, genau hinzuschauen – als Auftragnehmer, weil ich eventuell um mein Recht auf soziale Leistungen seitens des Auftraggebers gebracht werde und als Auftraggeber, weil mir im Falle der Aufdeckung eines Scheinselbstständigkeitsverhältnisses Nachzahlungen drohen, die im schlimmsten Fall meine Existenz als Unternehmer kosten können.
Überwacht wird der Status von der Rentenversicherung, deren Prüfer immer dann hellhörig werden,  wenn mindestens fünf Sechstel des Umsatzes von einem Auftraggeber stammen und der scheinbar Selbständige weisungsgebunden ist – sprich: der Arbeitgeber  Ort und Zeit der Tätigkeit festlegt. Und wenn der auf dem Papier als  „frei“ bezeichnete Mitarbeiter plötzlich Jobs erledigt,  die er früher als festangestellter Mitarbeiter bearbeitet hat.

Also: „Drum prüfe, wer sich ewig bindet!“ – am besten gleich hier: TEST

Und wenn der Test noch keine eindeutige Klärung bringt, dann finden Sie HIER ebenfalls gebündelte Informationen.

Besteht weiterhin Unklarheit über den eigenen Status oder den eines Mitarbeiters, kann jeder Freie oder sein Auftraggeber bei der Deutschen Rentenversicherung ein Verfahren einleiten. Durch diese Maßnahme wird zweifelsfrei geprüft, ob eine Tätigkeit als selbstständig oder als Beschäftigung einzustufen ist. Liegt nach Prüfung die Versicherungspflicht beim Auftraggeber, so muss dieser rückwirkend alle Anteile – auch die des Auftragnehmers übernehmen.
Zum Ende sei erwähnt, dass es auch bei der Regelung zur Scheinselbstständigkeit wie bei vielen anderen Gesetzen diverse Ausnahmen gibt. So unterliegen zum Beispiel Handelsvertreter einer anderen Klassifizierung.

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