Zukunftsmodell Genossenschaft

Das Jahr 2012 steht ganz im Zeichen der Genossenschaft, einer Unternehmensform, die laut UNO-Generalsekretär Ban-Ki Moon der internationalen Gemeinschaft vorlebt,   wie man Wirtschaftlichkeit und soziale Verantwortung verbindet. Nicht nur bei uns, auch in anderen Ländern erlebt die Genossenschaft eine Renaissance. Zurecht – denn Genossenschaften wirken lokal und regional, wirtschaften aus eigener Kraft und sind so sind unabhängig und nicht auf Staatszuwendungen angewiesen. Die Genossenschaft – ein Modell für die Zukunft?

„Viele Unternehmer, ein Unternehmen“ – kaum ein Slogan verdeutlicht so simpel das Prinzip einer Genossenschaft. In diesem konkreten Fall stammt der Slogan aus der  Edeka-Zentrale in Hamburg. Edeka gibt es seit 1907. Damals schlossen sich einige Kolonialwarenhändler zu einer Genossenschaft zusammen, um günstigere Konditionen bei den Lieferanten auszuhandeln. Bis heute sind noch acht weitere Genossenschaften hinzugekommen, in denen 4500 Kaufleute organisiert sind. Ein Einzelmodell? Nein – im Gegenteil. 1000 neue Genossenschaften wurden allein in Deutschland  in den letzten fünf Jahren gegründet. Das ist noch kein Boom und doch zeigt die Zahl deutlich, dass diese Rechtsform ihr etwas angestaubtes Image von einst und ihr DDR-Trauma überwunden hat.
Die Grundidee einer jeden Genossenschaft ist es, gemeinsam Ziele zu erreichen, Konditionen zu optimieren, die eigenen Mitglieder wirtschaftlich zu fördern und sich dabei als Unternehmer trotzdem eine gewisse Handlungsfreiheit zu bewahren.

Wie gründet man eine Genossenschaft?

Um eine Genossenschaft zu gründen, müssen sich mindestens  drei Mitglieder mit dem Zweck einer genossenschaftlichen Förderung zusammen tun (nach oben gibt es keine Grenze).
Um die Rechtsfähigkeit zu erlangen, muss die Genossenschaft  ins so genannte Genossenschaftsregister eingetragen werden. Die Genossenschaft braucht einen Vorstand, einen Aufsichtsrat und eine Generalversammlung, um handlungsfähig zu sein. Ein vorgeschriebens Mindest-Stammkapital, wie bei einer GmbH gibt es bei einer Gründung, die sich auf Deutschland beschränkt, nicht.
Wollen Sie selbst  Genossenschaftsmitglied werden, führt der Weg entweder über die Gründung oder Sie geben eine schriftliche Beitrittserklärung ab. Jeder, der in Berlin Mitglied der LPG (Bio-Markt) ist, kennt dieses Prozedere.
Das klingt erst einmal alles nach einem simplen Ablauf und doch unterliegen auch Genossenschaften gewissen kontrollen. So müssen sie einem Prüfungsverband angehören, der bereits vor Gründung und dann regelmäßig prüft, ob die Genossenschaft wirtschaftlicharbeitet und die Belange der Mitglieder unterstützt.

Die Genossenschaft ist eine Rechtsform, die sich gerade in wirtschaftlich unruhigen Zeiten lohnt und bewährt. So hat zum Beispiel die Dresder Konsum Genossenschaft als eines der wenigen traditionsreichen Dresdner Unternehmen die Wende überlebt und auch die Wirtschaftflaute der letzten Jahre machte vielen Genossenschaften weniger zu schaffen, als anderen Unternehmen.
Welche Wirtschaftskraft hinter diesem Modell steht, dokumentierte zum Auftakt des Jahres der Genossenschaft der Vorstandsvorsitzende des DGRV (Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverband), Dr. Eckhard Ott:
„Die genossenschaftliche Gruppe vereint mit ihren 20 Millionen Mitgliedern fast ein Viertel der deutschen Bevölkerung. Mehr als 800.000 Menschen arbeiten in der Genossenschaftsorganisation. … Genossenschaften tragen nicht nur zur Lösung wirtschaftlicher Herausforderungen bei, sie sind auch wesentliche Faktoren in der Bewältigung gesellschaftlicher Aufgaben: Neue Genossenschaften ermöglichen die dezentrale Verbreitung erneuerbarer Energien, sie tragen zu einer flächendeckenden Gesundheitsversorgung bei, übernehmen kommunale Aufgaben und organisieren die Nahversorgung in ländlichen Regionen. Auch viele Kleinunternehmer und Freiberufler können in Genossenschaften mehr erreichen.“

Insofern lohnt es sich, vor einer Gründung zu prüfen, ob die Idee vielleicht das Potential für eine Genossenschaft hat. Oder andersherum gedacht – ob die Gründung vielleicht erst durch die Genossenschaft eine Zukunft hat.

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie hier: „Ein Gewinn für alle“

Auf dieses Thema gibt es eine Reaktion

  1. Guter Beitrag.Leider muss man dazusagen das der Großteile der Neugegründeten Genossenschaften auf die Bürgerenergie bzw. Energie Genossenschaften entfallen.

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