Tauschen statt kaufen

Die Idee des Tauschhandels ist uralt. Lange bevor das Geld erfunden wurde, tauschten die Menschen Waren und Dienstleistungen. Dafür, dass das Tauschen in den letzten Jahren eine Renaissance erlebt hat, gibt es mehrere Ursachen. Zum einen macht Tauschen Spaß. Zum anderen liegt es daran, dass viele Menschen nach alternativen Wirtschaftsmodellen suchen, weil sie sich mit dem klassischen Geldsystem nicht mehr identifizieren wollen. Ein weiterer Grund ist, dass Bankkredite schwer zu bekommen sind – Tauschbörsen können diese Lücke schließen. Darum lohnt sich gerade für Existenzgründer der Blick auf das moderne Tauschgeschäft.

Vor einiger Zeit gab es im Berliner Tagesspiegel einen Bericht über den Geschäftsführer der Späth’schen Baumschule in Treptow, Holger Zahn. Der Artikel erzählte die Geschichte, wie Zahn es geschafft hat, ohne Bankkredit seinen Traum von einem Hofcafé zu verwirklichen. Er tauschte das, was er hatte – nämlich Pflanzen – gegen das, was er brauchte, Dienstleitungen von  Trockenbauern, Elektrikern und Dachdeckern. Das Ganze wurde über einen Tauschring abgewickelt – in diesem Falle über den Tauschring für Unternehmen, der Deutschen Kompensationsgesellschaft (DKG) mit Hauptsitz in Berlin. Dort verfügt jedes Mitgliedsunternehmen über ein Konto, auf dem dann ein fiktives Vermögen als Guthaben in Form von „DKG-Euros“  angeschrieben wird, sobald man eine Leistung für einen Tauschpartner erbringt. Nimmt man selbst eine Leistung in Anspruch, werden entsprechend DKG-Euros abgezogen.

Rund 700 überwiegend mittelständische Unternehmen aus ganz Deutschland haben sich bereits der DKG angeschlossen. Allerdings ist die DKG längst nicht der einzige Tauschring in Deutschland. Ob regional oder über die Landesgrenzen – Tauschringe boomen. Dabei gibt es unterschiedliche Modelle. Viele Tauschringe arbeiten mit so genannten Zeitkonten. Nach dem Motto: „Eine Stunde ist eine Stunde“ werden Dienstleistungen gegeneinander aufgerechnet. Eine Stunde Babysitten gegen eine Stunde Malerarbeiten.
Dem gegenüber stehen die Leistungsbörsen, bei denen höher qualifizierte Arbeiten auch höher bewertet werden. Ein  weiteres Prinzip ist das freie Aushandeln, was besonders dort sinnvoll ist, wo nicht nur Dienstleistungen sondern auch Waren getauscht werden.
Weltweit existieren rund 700 Organisationen, die den Tauschhandel zwischen Unternehmen koordinieren. Dazu kommen kleinere, privat organisierte Börsen, die ausschließlich lokal gebunden arbeiten. Dass das Tauschmodell Zukunft hat, sieht man daran, dass bereits 15 bis 20 Prozent des Welthandels über solche Tauschgeschäfte abgewickelt werden.

Für Existenzgründer kann Tauschhandel besonders in der Anfangsphase, wenn die Auftragslage noch nicht ganz so dicht ist, sinnvoll sein. Da Tauschringe meist auch Verantstaltungen zum Kennenlernen anbieten, kommt man so schnell an neue Kundschaft. Eine Marketingstrategie, die man nicht unterschätzen sollte, denn gute Arbeit spricht sich in solchen Kreisen weitaus schneller herum, als bei normalen Geschäftsabwicklungen. So nutzen Sie Ihr Potential als Kapital!

Bei der Gelegenheit gleich noch ein Hinweis in eigener Sache:

Am 4. und 5. Mai 2012 findet in den Räumen der .garage Berlin jeweils von 10:00 – 17:00 Uhr der

Gründerkongress  „Marktplatz der Ideen“

statt. Eine gute Gelegenheit, Gleichgesinnte zu treffen, sich auszutauschen oder sich von neuen Ideen inspiriren zu lassen. Und wenn Sie regelmäßig über Veranstaltungen und Neues aus der Gründerszene informiert werden wollen, werden Sie doch Facebook-Fan von der .garage Berlin.

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