Geld verdienen mit sozialem Engagement

Ich kenne einen  Social Entrepreneur – nennen wir ihn mal Peter. Erfolgreich gründete er mehrere Unternehmen und leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Wohle unserer Gesellschaft. Kein leichter Job, denn die Hürden, sozial tätig zu sein, sind mancherorts höher als man denkt, allein das Ausfüllen von diversen Anträgen kann einen schon zur Verzweiflung bringen. Hätte Peter mit ähnlichem Engagement seinerzeit einen Versandhandel für Technikprodukte gegründet, wäre er heute vermutlich ein gemachter Mann und würde auf einem Segelboot vor Mallorca die Sonne genießen. Dass er das nicht tut, liegt wahrscheinlich daran, dass die Gesellschaft ein Problem damit hat, Social Entrepreneurship mit monetärem Gewinn zu akzeptieren. Wer Technik verkauft, darf reich werden. Wer Gutes tut, der muss das doch aus dem Herzen tun, ohne etwas dafür zu wollen.  Aber warum eigentlich?

Schaut man bei Wikipedia nach der Definition eines Social Entrepreneurs, findet man dort Folgendes:

„Ein Social Entrepreneur ist ein Unternehmer,

  • der eine nicht oder bisher nur unzureichend gelöste gesellschaftliche Aufgabe zu bewältigen sucht,
  • für den die finanzielle Gewinnerzielung nicht im Mittelpunkt steht oder ein Mittel zur Realisierung sozialer Zwecke darstellt,
  • dessen Werte auf Demokratie und Menschenwürde gründen,
  • der für die Erfüllung der selbst gestellten Aufgabe eine geeignete Organisation einbezieht, welche eine nachhaltige Entwicklung für die Gesellschaft anstrebt,
  • der weitere interessierte Personen zur Mitwirkung zu motivieren sucht und
  • der die nötigen finanziellen und materiellen Ressourcen akquirieren kann, ohne in Abhängigkeit von einzelnen großen Geldgebern zu geraten.“ (Quelle: Wikipedia.de Social Entrepreneurship)

Klingt für mich nach einem Heiligen. Nach einer Mutter Theresa der sozialen Wirtschaft. Und danach, dass dem Social Entrepreneur wahrscheinlich irgendwann die Puste ausgeht, weil man nicht immer nur geben kann, ohne auch zu nehmen. Es ist nicht lange her, da ging ein Aufschrei durch das Land, weil sich der Chef der Berliner Treberhilfe, Harald Ehlert im Dienst mit einem Luxusauto durch die Gegend fahren ließ. Sein Kommentar gegenüber der BILD dazu:  „Das ist wichtig, wenn ich als Investor auftrete. Wenn ich so bedürftig daherkomme wie unsere Klienten, würde mir keine Bank Geld geben.“ (Quelle: Bild online  19.02.2010)
Nun ist der Fall Ehlert vielschichtig, aber die anschließende Reaktion der Medien und in der Bevölkerung zeigte deutlich, dass die Akzeptanz für  gewinnorientiertes soziales Engagement nicht gerade sehr hoch ist.
Ich  persönlich plädiere für ein Umdenken, denn das schlechte Gewissen, mit einer wichtigen, innovativen und  einer auf Gesellschaftsentwicklung ausgerichteten Tätigkeit angemessen Geld zu verdienen, gehört meines Erachtens ins Museum. Davon betroffen sind übrigens nicht nur Menschen wie Peter, sondern auch die Angestellten sozialer Unternehmen und Berufsgruppen, deren Handeln auf das Wohl anderer Menschen ausgerichtet ist – Ärzte vielleicht mal ausgenommen. Die Bezahlung in sozialen Bereichen in Deutschland ist – und das ist meine persönliche Meinung – würdelos und zeigt die wahre Wertekultur unserer Gesellschaft.

Aber es gibt Lichtblicke, so wie der folgende Wettbewerb, der nicht nur dazu anregt, sozial unternehmerisch tätig zu sein, sondern das Ganze auch noch honoriert.

Act for Impact heißt das  Förderprogramm für Gründer, das von der Vodafone Stiftung Deutschland und der Social Entrepreneurship Akademie gestiftet wird. Das Programm richtet sich an Gründerinnen und Gründer, die im Bereich Bildung und Integration mit dem Fokus auf Deutschland tätig sind.

Aus der Einladung:
„Neben der Aufnahme in die Gründerförderung der Social Entrepreneurship Akademie wird ein Preisgeld in Höhe von 50.000 EUR an die Gewinner vergeben. Der durch ein öffentliches Voting auf Facebook bestimme Publikumspreis ist mit 10.000 EUR dotiert.  Das Voting selbst beginnt Ende Mai.
Zudem werden von der Vodafone Stiftung Deutschland und der Social Entrepreneurship Akademie unabhängig von dem Facebook Voting fünf Finalisten bestimmt. Diese präsentieren sich und ihre Gründungsidee beim Finale am 4. Juli 2012 einer hochkarätigen Jury vor über 200 Gästen. Das überzeugendste Gründungsvorhaben wird von der Jury zum Gewinner des mit 40.000 EUR dotierten Förderpreises gekürt. “ (Quelle: http://www.seakademie.de/gruenderfoerderung.aspx)“
Also: Ärmel hochgekrempeln, Bewerbung schicken und Gutes tun. Und ohne schlechtes Gewissen damit Geld verdienen! Das haben Sie verdient!

Auf dieses Thema gibt es 3 Reaktionen

  1. Thomas Mampel

    Liebe Frau Hagen – DANKE für diesen Artikel! Sie sprechen (bzw. schreiben) mir aus der Seele! Wir werden das Thema auch in der .garage stärker in den Focus nehmen…. Wir wolllen eine garage für social entreprenuers bauen. Wäre schön, wenn Ihr Artikel hilft, Mitstreiter zu finden…….

    Herzliche Grüsse
    Thomas Mampel

  2. Täglich werden Milliarden mit überflüssigem Mist umgesetzt, warum soll ausgerechnet mit Sinnvollem nichts verdient werden? Versteh‘ ich gar nicht.

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