Sind Sie Spezialist oder Bauchladenhändler?

Spezialist zu sein hat Vorteile. Der Bauchladen allerdings auch. Was von beiden besser für das eigene Unternehmen ist, lässt sich mit Hilfe einer Marktanalyse klären. Fakt ist, dass der, der sich auf seine Kernkompetenz konzentriert, meist vorn liegt, weil er fachkundiger wirkt und sich von der Masse abhebt. Doch manchmal bringt auch gerade die Vielfalt den Zuschlag für einen Auftrag.

Lange war es in Gründungsseminaren üblich, Gründern dazu zu raten, sich unbedingt zu spezialisieren, weil das die entscheidenden Marktvorteile bringt. Im Grunde kein schlechter Rat, denn Spezialisten sind gefragt. Sie können höhere Preise nehmen, erreichen mit weniger Aufwand mehr, die Kundenbindung ist stärker und sie werden besser gefunden. Sich eine Nische zu suchen, kann allerdings auch Nachteile haben. Da Nische ja bedeutet, dass man sich diesen Marktanteil vermutlich mit wenigen Mitbewerbern teilt, können Sie sich keine Fehler leisten, da sich das unglaublich schnell in der Branche herumspricht. Manchmal neigen Spezialisten auch dazu, den Markt aus den Augen zu verlieren, weil sie selbst so überzeugt von ihrem Produkt oder ihrer Dienstleistung sind. Ein Kardinalfehler, wie zuletzt bei Kodack zu sehen war. Das Traditionsunternehmen hat schlichtweg den Anschluss verpasst.
Darum: Analysieren Sie den Markt genau und fragen Sie sich:

Starte ich in einer Branche mit vielen Mitbewerbern? Dann kann es sinnvoll sein, sich zu spezialisieren.
Haben Sie eine Nische gefunden, folgt eine zweite Analyse, denn natürlich müssen Sie sich die Frage stellen, warum vor Ihnen noch keiner auf diese Idee gekommen ist. Überprüfen Sie die  also die Markttauglichkeit.
Sind Sie auf der Suche nach einer guten Spezialisierung, gibt es drei Varianten, die natürlich oft auch untereinander kombinierbar sind.
Sie können sich auf

  • eine Zielgruppe
  • ein Produkt oder
  • eine Problemlösung

konzentrieren.
Dipl.-Psych. Marina Neumann, Psychologische Psychotherapeutin mit eigener Praxis hat sich sowohl auf eine Zielgruppe, als auch auf eine Problemlösung spezialisiert und hebt sich damit eindeutig von den rund 350 Psychologen ab, mit denen sie sich den Berliner Markt teilt. Sie bietet Beratungen und Rückschulungen für umgeschulte LinkshänderInnen an. Entwickelt hat sich diese Spezialisierung aus der eigenen Erfahrung heraus. Da sie selbst umgeschulte Linkshänderin war und die Problematik genau kannte, kann sie heute vielen Menschen helfen. So hat sie ein eindeutiges Profil, was es Betroffenen die nach einer Problemlösung suchen, leicht macht sie zu finden.

Ganz anders Marc Eichner, Architekt, der sich bewusst gegen eine Spezialisierung entschieden hat. „Wir bieten im Gegensatz zu vielen anderen Architekturbüros alle Leistungsphasen an. Von der Planung bis zur Ausführung. Das ist ungewöhnlich und mit Sicherheit ein Grund dafür, dass wir auf diesem dichten Markt überleben.“
Ein Argument, das Gründer den Bauchladen schmackhaft macht, weil sie meinen, mit einem breiten Angebot auch besonders viele Kunden zu akquirieren. Das klappt allerdings meist nur, wenn man sich schon am Markt einen Namen gemacht hat. Manchmal kann es eine Strategie sein, sich erst zu spezialisieren und dann nach und nach die Angebotspalette zu erweitern. Doch auch hier gilt: Verzetteln Sie sich nicht, sonst geht es Ihnen wie wirken Sie nach Außen nicht mehr glaubwürdig.

Abschließend lässt sich sagen, dass das Thema Spezialisierung ja oder nein, wenn es sich nicht direkt aus Ihrem Angebot heraus ergibt, gut mit einem Berater oder Coach zu klären ist, der immer noch mal eine andere Sichtweise repräsentiert.

Auf dieses Thema gibt es 2 Reaktionen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *