Träumer oder Unternehmer?

Wissen Sie, welche die drittwichtigste Branche in Deutschland ist ? Die chemische Industrie, der Tourismus, die Nahrungsmittelindustrie? Nein falsch gedacht, es ist die Branche der Kreativen. Egal ob Journalisten, Architekten, Computerspiele-Entwickler, Musiker oder Künstler – insgesamt setzten mehr als eine Million Kreative 2009 in Deutschland rund 131 Milliarden Euro um, so das Ergebnis der Prognos Studie der KfW. Der Betrag entspricht einer Bruttowertschöpfung von 61 Milliarden  Euro – eine Zahl die zeigt, was Kreative hierzulande leisten, die aber auch zeigt, wie sehr diese Branche unterschätzt wird. Zeit zum Umdenken also, denn die Kreativwirtschaft sorgt nicht nur dafür, dass unser Leben bunter, reicher und unterhaltsamer ist, sie ist auch weit weg von dem Träumer-Image, das ihr so mancher gern noch anheftet.

Ein Fünftel der Kreativen Zunft arbeitet in den Ballungsräumen Berlin, Köln und Hamburg. Besonders in Berlin blüht derzeit die Start-up-Szene im Online-Bereich, während Köln nach wie vor der Standort für viele TV-Sender ist und Hamburg besonders der schreibenden Zunft mit vielen Verlagen eine Heimat bietet. Die Prognosen stehen gut- allein für Berlin rechnet man damit, dass die Zahl derer, die ihren Lebensunterhalt mit einem kreativen Beruf verdienen, in den nächsten Jahren von derzeit rund 50.000  auf  110.000 ansteigt.

Doch, wie auch die KfW-Bank in ihrem Bericht schreibt, nach wie vor ist es für viele, die im kreativen Bereich gründen wollen schwierig, an finanzielle Unterstützung zu kommen. Das Problem liegt weniger an den Gründern selbst, als vielmehr daran, dass vielen Banken immer noch das Know-how fehlt, um kreative Investments wirklich zu beurteilen. Das gilt besonders in Regionen, die wenig  Erfahrungen mit Unternehmen der Kreativwirtschaft haben. So heißt es in der Prognos-Studie der KfW: „Es ist schwierig, den wirtschaftlichen Wert und die Marktfähigkeit einer Idee zu bewerten. Wie soll man abschätzen, ob sich ein neuer Film, eine neue Modekreation, eine Spielidee durchsetzen wird?“ (Birgit Krümpelbeck, KfW-Spezialistin für kreative Investments)
Aber es bewegt sich etwas und besonders die KfW bietet mittlerweile Wachstumsprogramme und Fördermöglichkeiten für Kreative an. Dazu KfW-Spezialistin Krümpelbeck: „Wir sind bereit, Risiken zu tragen. Wir übernehmen bis zu 80 Prozent des Risikos bei Gründungskrediten, bis zu 50 Prozent bei Unternehmenskrediten.“

Dass sich dieser Einsatz lohnt, beweisen nicht nur die gesamtdeutschen Umsatzzahlen. Allein die Tatsache, dass im letzten Jahr rund 122.000 Menschen ein Unternehmen in der Kreativwirtschaft gründeten, spricht für sich. Dabei gründeten zunächst 60 %  im Nebenerwerb und mehr als 80 % ohne Mitarbeiter. Signifikant:  Gründungen in der Kreativwirtschaft bleiben laut Analyse länger am Markt als Gründungen in anderen Sektoren, das heißt unter anderem auch, dass drei Jahre nach Start noch fast 4/5 der kreativen Gründungen am Markt sind. Vielleicht liegt es daran, dass Kreative, wenn sie dann den Schritt in die Selbstständigkeit wagen, ihren Beruf mehr als Berufung verstehen und dadurch eher bereit sind, Hürden zu meistern und auch mal eine Durststrecke durchzustehen.

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  1. Sven Dönni

    Liest sich gut und gibt Hoffnung, dass das neue Angebot der .garage in 2012 -.garage kreativ – auch gut ankommt. In dem Programm soll Kreativen geholfen werden, die ihre Einkommenssituation noch verbessern möchten, neue Ideen mit einen Sparringspartner durchsprechen wollen, oder aus einer Selbständigkeit ein Unternehmen machen möchten.

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